Tadschikistan – Land am Hindukush

Von Dushanbe Richtung Kulob, bin gespannt, ob der Stoßdämpfer hält. Beim Eingang zum Pamir ist Schotterstraße, Schlaglöcher und es funktioniert bestens. Halt beim Grenzübergang nach Afghanistan, kurze Unterhaltung mit dem der Grenzposten, der freut sich über Abwechslung. Am Grenzfluss spielen und baden auf der afghanischen Seite Kinder – Schilder: Hier wird scharf geschossen! Gut asphaltierte Straße, bei der nächsten Polizeistation, Passkontrolle, GBAO Permit, werde zu Wassermelone und Tee eingeladen, als der Bäcker mit frischem Brot kommt bekomme ich auch einen ordentlichen Teil davon ab. Die Leute sind durchwegs sehr nett, interessiert, hilfsbereit. Einige Kilometer weiter ist die Stelle an der vor zwei Jahren einige Radfahrer bei einem Terrorüberfall getötet wurde, eine Mahntafel erinnert an die grausamen Anschlag. In Kalaikhum winkt mich ein Mann heran – Guesthouse Rembo. Ein Guide im Hello Dushanbe Hostel hatte es mir bereits empfohlen, ich nehme gerne an. Dort treffe ich Sigrid & Paul, ein belgisches Paar, dass fünf Wochen in Kirgisien, Usbekistan und Tadschikistan unterwegs ist. Die Bikes hatten sie mit einem LKW nach Bishkek verschickt, dort werden sie auch Anfang Juli wieder abgeholt.

Gemeinsames Abendessen, Jürgen aus Klagenfurt gesellt sich dazu, er möchte in drei Wochen den Pamir Highway mit dem Rad fahren. Auch Sigrid & Paul fahren über den Pamir, noch ein gemeinsames Frühstück, wir fahren getrennt los. Der Pamir Highway ist die Ost West -Verbindung von Tadschikistan, auch alle Waren aus China gehen drüber. Die Strecke ist eine Schotterstraße und eine ziemliche Rumpelpiste, eng. Immer hart an der Grenze zu Afghanistan, mache viele Fotostopps. Khorug ist die nächste größere Siedlung, einige Hotels, von dem Guide in Duschanbe wurde mir das Guesthouse Tat Mirzo empfohlen, liegt einige Kilometer vor Khorug direkt an der Strecke, neues Haus, schöne Zimmer – ich quartiere mich ein. Die Familie ist außerordentlich nett. Tee, das Joghurt ist von der hauseigenen Kuh, in der Früh gemolken, Joghurt angesetzt und ich bekomme am Nachmittag eine wunderbare Jause. Während ich vor dem Haus ein Zigarre rauche kommen immer mehr Kinder dazu: „What is your name? Whats is your womans name? How old are you? Do you have children? … “ Sie bringen ihre Schulhefte, zeigen stolz ihre Arbeiten, Noten. Ein ganz besonderes Foto!
Während wir an der Straße zusammensitzen kommen Sigrid & Paul vorbei, halte sie an. Sie möchten in eine Unterkunft in der Stadt. Ich verteile einige Malhefte, Buntstifte, Luftballons. Nach einiger Zeit kommen die Beiden wieder zurück, die Unterkunft an der Stadt ist nur zu Fuß erreichbar, die Motorräder müssten über Nacht am Hauptplatz stehen …
Zum Abendessen gibt es gebratenes Huhn mit Pommes und Salat, alles aus dem eigenen Haus – ganz vortrefflich!

Nach dem Frühstück beschließen wir gemeinsam weiter zu fahren. Der Pamir ist auf drei Routen zu befahren:

  • Etwas nördlich von Khorug durch das Bartang Valley, etwas ausgesetzte Strecke – bin wegen des Stoßdämpfers etwas unsicher und schließe diese Route aus
  • Von Khorugh die Hauptroute durch das Gunt Valley,  M41
  • Im Süden das Wakhan Korridor entlang des Hindukush.

Wir wählen den Wakhan Korridor. Bis Ischkashim Asphalt, danach Schotter und Sandpiste. Wir nächtigen im Chorshanbe Homestay, ein sehr typisches Haus in der Nähe zur Yamchun Fort. Wir sind allein in dem großen Guesthouse. Ich schlafe im separatem Zimmer. Paul wird in der Nacht von einem Stupsen geweckt. Als er merkt, dass es nicht seine Frau ist springt er auf und schreit, Sigrid wacht auf und sie schreien um die Wette. Paul denkt an eine Ratte, … bis sie merken, dass eine Katze in ihrem Lager ist. Der Sohn des Hauses kam spät nachts nach Haus und hat sich im Nebenzimmer hingelegt, dabei hat er auch die Türe ins Zimmer der Beiden geöffnet und die Hauskatze schlich sich herein. Wir werden noch einige Zeit über das Erlebnis, und etliche zusätzliche Gedankenspiele, herzlich lachen.

Die Fahrt durch den Wakhan Korridor ist einfach traumhaft, auch das Wetter passt perfekt, es gelingen viele einmalige Fotos. Der dritte Abschnitt steigt zu einem Pass an, Lunchbreak, Tanks mit den Benzinkanistern auftanken, das Terrain wird teilweise tiefer Sand. Polizeikontrolle kurz vor der Passhöhe, einige Radfahrer aus Deutschland, der Schweiz. Ab der Einmündung in die M41 ist die Strecke bis Murghab asphaltiert – manchmal frage ich mich jedoch ob mir die Piste mit dem  tiefen Sand nicht lieber ist … Hotel Pamir in Murghab, der Eigentümer spricht perfekt deutsch! Wir treffen viele Reisende, Biker im Hotel. Entlang der chinesischen Grenze Richtung Norden, Stacheldrahtzaun, dahinter sieht es aus als seien Minenfelder?!?! Die Landschaft ist beeindruckend, Auffahrt zum Ak-Baital Pass. Der Karakul See liegt vor uns im besten Sonnenschein – eine der schönsten Stellen des Pamir Highways.

Nach einigen Kilometern erreichen wir die Grenze, Ausfuhr der Motorräder am Zoll problemlos, auch die Migration geht schnell. Die Straße wird urplötzlich zu einem unwegsamen Erdpiste, Bäche laufen über die Straße, tiefe Fahrrinnen – und das ist eine Hauptverbindung für LKW Transporte von und nach Kirgisistan. In den Bergen wird es finster, weniger die Nacht, dicke Regenwolken ziehen herein.

Kommentare (3)

  1. Wolfgang Hos

    Hallo Toni,
    wie immer ein sehr schöner Bericht, hoffe dein Stoßdämpfer macht noch alles mit… alles Gute

    Wolfgang

  2. Franz Samide

    Servus aus der Steiermark Toni!

    Habe länger nicht auf Deine Seite geschaut, dafür konnte ich jetzt nicht aufhören Deine Berichte zu lesen-hochinteressant!!
    Wir haben uns noch nicht entschieden wohin wir in meinen 4 Monaten Sonderurlaub Frühj bis Sommer nä Jahr aufbrechen-Lateiamerika od Richtg Osten-Deine Empfehlung? Wir müssen m d VW Bus fahren da mein Schatz zwar seit 4 Jahren wieder ein Moped hat aber kaum gefahren ist-wäre zu gefährlich. Zu zweit auf meiner GS ist mir zu mühsam. Dzt. holen wir gerade Anbote zum Verschiffen unserer Kiste ein. Nach Deinen Berichten würde ich am liebsten R. Osten aufbrechen u. über S-Am wieder zurückkommen-das dauert aber 4 Jahre statt Monate. In einem Deiner ersten Berichte (find ich nicht mehr) schreibst Du von jemandem (Yefgheni?) der Dich in Sachen Navigation (Apple?) unterstützt-wenn ich mich nicht irre. Kannst Du mir da einen Kontakt nennen? Danke, falls Du mir da helfen kannst.
    Deine Reise werden wir jetzt wieder laufend verfolgen!
    Wir wünschen Dir weiterhin alles Beste und Deiner GS ein stabiles Federbein!
    Franz u. Daniela Samide

  3. Reithner Toni

    Lieber Toni
    Sehr spannend deine Berichte.Freue mich mit Dir. Die Bedingungen sind nicht immer easy-aber du mit deiner Ruhe und Erfahrung machst es perfekt.
    Wünsche Dir noch eine schöne Zeit-viele eindrucksvolle Erlebnisse und alles Gute.
    Liebe Grüße
    Toni Reithner

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