Wie das Leben so spielt

Die Route: 1. – 22. April 2015

 

 

Zwei Wochen vor der Abreise

Alles bereit für die Verfrachtung. Um den Tank leer zu bekommen fahre ich noch einen kleinen Umweg bis zur Hellingstrasse. Eine spezielle Kiste muss angefertigt und die BMW sicher befestigt werden. Fa. Pawel ist bereits vorinformiert und erwartet mich, Batterie rasch ausgebaut und ab in den Seitenkoffer. Werkzeug, Zelt, …. sind bereits verstaut. Letzte Info´s an den Verpacker und fertig. SAD, Hr. Vorezka, holt mich ab und bringt mich nach Hause.

Zwei Tage vor der Abreise

Anruf von Logwin, Hr. Friedrich: Beim Sicherheitsscheck wurden brandgefährliche Stoffe entdeckt, ich muss zum Flughafen zur Abklärung. Vermute den Bremsreiniger und Zweikomponentenkleber. Kiste aufgebrochen: Es sind der Bremsreiniger (200ml) und der 2-Komponentekleber (100g) => die müssen raus. Im Tank sind noch circa 1,5 Liter vom 98er Oktan! Noch einmal durch den Scanner, die Kiste geht haarscharf durch => Elektronischer Check, die Ladung passt!

Abreise

Dienstag, 31.3.2015. Vormittag noch im Büro, dann nach Hause zum Fertigmachen. Sigrid bringt mich zum Flughafen. Check-in: Schlangen am Schalter. Die Anzeigen: Fast alle Flüge sind gecancelt! Ein Sturmtief liegt großflächig über Mitteleuropa, Frankfurt gesperrt! Anstehen in der Schlange, bin etwas unruhig, meinen Weiterflug von Buenos Aires nach Santiago de Chile musste ich unabhängig buchen, der time slot ist nur wenige Stunden … endlich dran und: sehr positive Überraschung! Die Dame am Schalter bemüht alles was möglich ist und mit einer Umbuchung über München sollte der Flug nach Buenos Aires knapp, aber zeitgerecht ankommen. Das hätte ich eine halbe Stunde vorher nicht für möglich gehalten.

Die Verabschiedung von Sigrid fällt mir schwer, sind es doch vier Monate, die wir uns nicht sehen werden. Feste Umarmungen und aufmunterte Worte wechseln sich ab, durch den Personencheck, ein letztes Winken…. Es für mich eine Reise ins Ungewisse, weiß überhaupt nicht wie es werden wird. Der Flug nach München ist unruhig, aber problemlos. Zum Gate nach Buenos Aires – wieder Verspätung, das wird knapp. Ich verkürze mir die Zeit in der Business lounge …

Elf Stunden Flug, nach etwas Schlaf und einige Filme später: Anflug auf Buenos Aires. Ich sitze in der letzten Reihe und habe nur wenig Zeit um den Flug nach Santiago de Chile zu erreichen, in der vordersten Reihe ist noch ein Platz frei, Platzwechsel. Der Nachbar schaut nicht sehr begeistert. Rede ihn trotzdem an und: Er ist Steirer, der in Brasilien lebt, mit einer Brasilianerin verheiratet. Er erzählt von seinem beruflichen und privaten Leben: Kriminalbeamter in Österreich und in vielen internationalen Affären involviert. War auch beim Heeresnachrichtendienst, erzählt einige Episoden aus dieser Zeit. Jetzt ist er Vertreter einer Firma für Waldmaschinen. Von seiner Frau ist er nicht sehr angetan: „Die Brasilianerinnen sind nur auf Geld aus, keine Herzlichkeit und Wärme! Chileninnen sind nicht besonders hübsch, am besten sind Bolivianerinnen, sehr familiär und mit viel Herzlichkeit“. Die Unterhaltung überrascht mich sehr, wir tauschen Email Adressen aus, wenn ich in der Nähe von Santa Catarina bin, soll ich ihn unbedingt besuchen. Landung Passkontrolle, Gepäcksband, Zoll – alles geht relativ schnell. Terminalwechsel, Schalter LAN, Check-in nach Santiago de Chile – 4 Stunden Verspätung! Jetzt habe ich wieder viel Zeit. SMS an Sigrid – alles o.k.

Der Flug nach Santiago ist ohne Probleme, als wir die Anden überfliegen ist der Übergang von der Pampas wie eine Wand, ich merke ich wie hoch dieser Gebirgszug ist. Passkontrolle, Gepäck, Zoll – alles geht sehr zügig. Der Bankomat spukt ohne Probleme Chilenische Pesos – Ich werde binnen Sekunden zum Millionär. Das Hotel ist unmittelbar gegenüber, Abendessen und ins Bett, die Zeitverschiebung macht sich bemerkbar.

Fernanda Huerta, von Logwin Chile, kündigt sich für nächsten Morgen zum Frühstück an. Wir wollen das Motorrad aus dem Zoll holen. Er hat seinem pensionierten Vater einen Kleinbus gekauft, so ist er auch in der Pension beschäftigt. Am Zolllager: Die Kiste sollte am Vortag angekommen sein. Büro Zolllager: Formulare beim Zoll: Temporäre Einfuhrgenehmigung; Zolllager: Die Kiste ist bereits im Lager. Einige Geldscheine wechseln den Besitzer und wir fahren hinter dem Gabelstapler zwei Kilometer aus dem Zollgelände. Die Kiste ist ziemlich stabil, der Gabelstapelfahrer hebt mit den Gabeln den oberen Deckel ab, das hätten wir nicht so einfach geschafft. Das Bike ist sehr gut verstaut und hat die Reise unbeschädigt überstanden. Ich montiere die Batterie und verstaue das mitgebrachte Gepäck, Schlüssel angesteckt: Die BMW springt sofort an! Wir verstauen die Box auf dem Kleintransporter. Ich komme in vier Monaten wieder zurück. Fernando bietet sich an eine Woche gemeinsam mit mir in Santiago und Valparaíso zu verbringen. Herzliches Shake Hands und das Abenteuer geht los. Das waren weniger als 2 Stunden!
Das GPS am Samsung funktioniert perfekt, es führt mich über die Autobahn in Richtung Andenpass Cristo Redentor de los Andes. Geht schnell voran, am Pass die Grenze nach Argentinien. Vorbei an der Autokolone vor dem Grenzübergang, direkt zum Schalter. Ich spreche kein Wort spanisch, aber werde von den wartenden Autofahrern angesprochen, Argentinier, Uruguayer, … sie unterstützen mich bei den Formalitäten. Fotos mit den Kindern auf dem Bike. Telefonnummern, Emailadressen, „Wenn Du nach Uruguay kommst musst Du uns unbedingt besuchen“. Nicht einmal eine halbe Stunde dauert die Prozedur.

Weiter Richtung Mendoza. Der Pass liegt auf über 3.000 Meter Seehöhe, vorbei am Aconcagua bis Uspallata. Zeit für eine Übernachtung. Im Zentrum sitzen zwei Leute bei ihren Verkaufsständen. „Is there a nice hotel you can recommend?“ Die Antwort: „There are several ones, such as …“. Das klingt irgendwie vertraut. Frage: „Können wir deutsch sprechen?“ Antwort: „Ja!?“ Frage: „Woher kommst Du?“ „Aus Österreich.“, „Ja, aber woher aus Österreich?“, „Aus Wien!“, „Wo aus Wien?“, „Eigentlich aus Baden“. Sein Freund ist aus Hamburg. Der Erste den ich in Argentinien treffe ist ein Österreicher! Er heißt Martin und ist seit 7 Jahren hier, hat zwei Kinder mit einer Argentinierin. Nachdem Mendoza zu teuer wurde ist er nach Uspallata, stellt in Handarbeit Souvenirs für Touristen her. Auch ein Musikinstrument produziert er, welches in der Schweiz seinen Ursprung hat – eine Art Blechtrommel. Auf zum Bankomaten, der gibt weder für meine Bankomatkarte, noch für die Visa Geld … Martin weiß Rat, wir tauschen im gegenüberliegenden Shop Dollars gegen Argentinische Pesos. Zeit für Pause, ich werde in die Kunst des Mate Teetrinkens eingeweiht: Mate wird in einer Kalabasse mit einer Bombilla getrunken. Dabei werden die Mate Teeblätter zu 2/3 in die Kalabasse gegeben, mit Wasser aufgefüllt und an die einzelnen Teilnehmer der Runde weitergegeben, reihum, die Güte des Tees wird – positiv – kommentiert. Wer einmal „Gracie“ sagt, bekommt ab diesem Zeitpunkt keinen Tee mehr angeboten. Mate wird in Argentinien immer und überall getrunken.

Das Hotel Uspallata hat eine tolle Aussicht auf die nahen Berge, nettes Zimmer, gutes Frühstück. Das Internet ist nur im Erdgeschoss verfügbar, Skype mit Sigrid: Neuigkeiten, Was war los heute? …

Abendessen in einem Restaurant, ortsüblich: Steak. Nach dem Essen treffe ich mich mit Martin, seine Frau und Kinder sind bei ihm. Er erzählt mir, dass er Land besetzt hat und darauf ein Holzhaus aufgebaut hat in dem sie leben – das sei in Argentinien so üblich. Land, das dem Staat gehört, wird einfach besetzt! In Österreich war er nicht mehr, er kann und will sich die Reise nach Wien nicht leisten, mit seiner Mutter in Wien skypt er regelmäßig …

Ich gehe schlafen und kann nicht glauben, das alles an einem einzigen Tag erlebt zu haben.

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