Die Erkenntnis

Beim Frühstück rede ich mit Frederic die verschiedenen Themen durch:

  • Neue Reifen
  • Anzug
  • Hemden
  • Krawatte
  • Schuhe
  • Motorradwäsche
  • Abstellplatz für 6 Monate

Wir werden gemeinsam einkaufen!

Vorerst plagt mich die Reifenfrage, bin gespannt. Bei der Fahrt ins Zentrum sind mir schon zwei Shops ins Auge gestochen, gleich in der Panamericana. Ich halte beim Ersten, kein Glück, er führt diese Dimensionen nicht – wie oft habe ich das bereits gehört!?
Das Zweite ist ein relativ gut ausgestattetes Motorradgeschäft. Ich zeige der Verkäuferin meinen Zettel mit den Dimensionen – englisch ist nicht. Sie verschwindet nach hinten, es dauert, … und dauert. Glaube eigentlich nicht an einen Erfolg, aber: Sie kommt mit zwei Reifen zurück. Leider sind es nicht die richtigen Dimensionen, aber zumindest der Durchmesser passt! Der Eigentümer kommt dazu und wir beraten – auf Spanisch natürlich. Die Reifen sind zwar schmäler als  notwendig, dafür aber höher, das sollte sich ausgleichen!? Ich bin einfach optimistisch und kaufe Beide, Pirelli Scorpion, ideal für Schotter und offroad. Sie sind relativ günstig, kosten um die hundert Euro je Stück. Zurück im La Pasarela, wir gehen Einkaufen! Mit Frederic ins Zentrum, Auslagen und  Geschäfte schauen. Bei Almanza sieht es ganz gut aus, nichts wie rein. Anprobe von mehreren Modellen, blau, schwarz,… Die Größe ist ein Kriterium und so kommt der Schwarze zum Zug. Hemden: Gute Auswahl, dezent und etwas extravaganter – Schwarzer Anzug, schwarzes Hemd, hellgraue Krawatte – das sieht doch gut aus. Die Hose muss noch gekürzt werden, das dauert circa zwei Stunden, kein Problem. Weiter Schuhe, das ist eher schwierig, es gibt nicht besonders passende oder nette Schuhe, bei Bata werden wir dann doch fündig. Alles in allem ist es nicht ganz günstig, ich werde so in zwei Stunden 400.- Euro los, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Zurück ins Hotel – die neuen Reifen montieren.

Es ist schon sechs Uhr abends und ich suche eine offene Gomeria. Bei einem jungen Burschen in der Nähe des Zentrums werde ich fündig. Demontage des Vorderrades – neuen Reifen aufziehen – Rad montieren. Dasselbe für hinten. Da wird es schon problematischer, die Felge ist für 170 Millimeter der Reifen hat nur 150 Millimeter – ich weiß eigentlich nicht genau wie der Bursche das geschafft hat, aber der Reifen ist drauf! Rad montieren, jetzt wird es spannend: Passt die Höhe oder streift der Reifen am Fahrgestell … aber: Es geht sich aus!
Zurück zum La Pasarela, Abendessen. Ich möchte unbedingt meine Errungenschaften zeigen und ziehe das neue Outfit zum Abendessen an, das gibt ein Gelächter, die De Keysers können sich vor Lachen kaum Einkriegen und glucksen nur so heraus. Für sie bin ich im Anzug eine eigenartige Erscheinung. Maira meint ich sehe aus wie Evo Morales … weiß jetzt nicht ob das ein Kompliment ist. Letztendlich kommen sie zur Schussfolgerung, dass ich mit den Klamotten sicher besser aussehe als der General Manager – das geht doch! Freue mich über den vergnüglichen Abend, ab ins Bett.
Am nächsten Tag muss ich noch alle meine Sachen zusammenordnen, was lasse ich da, was nehme ich mit. Bike noch einmal ordentlich waschen, da ist doch noch einiges an Salz drauf. Am Parkplatz gibt’s noch eine Fotosession mit Martin und Esperanza. Das Bike schaut mit den neuen Pirelli Reifen voll martialisch aus. Motorrad „Einwintern“ und ins zweite Haus von Frederic bringen, Abdeckplanen, Versperren, Koffer packen, … so vergeht der Tag ziemlich schnell. Noch einmal schlafen, dann geht´s zum Flieger nach Sao Paulo.

Resümee:
Eigentlich wollte ich vier Monate nach Südamerika. Ich hatte einen groben Plan und wollte schlussendlich am Ende das Bike wieder nach Österreich zurückfliegen. Jetzt sieht alles ganz anders aus. Ich unterbreche meine Reise nach sechs Wochen, dazwischen war ich zehn Tage in der Schweiz und Österreich. Ich lasse mein Motorrad in Bolivien und muss spätestens nach sechs Monaten zurückkommen und mit dem Bike aus Bolivien ausreisen.
So viel zu den Fakten.

Durch die nachhaltigen und eindrücklichen Erlebnisse in diesen sechs Wochen hat sich eine völlige Änderung in meinem Denken ergeben. Besonders die Erlebnisse am Salzsee Uyuni und bei den Lagunen haben sich nachhaltig eingeprägt, viele Gedanken sind zusammengeflossen und haben sich gefestigt.

  • Diese Tour hat viel von meinen physischen und psychischen Kräften abverlangt.
  • Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass diese Kräfte nicht grenzenlos vorhanden sind.
  • Ich habe meine Grenzen kennen gelernt.
  • Die Eindrücke und Erlebnisse mein Vorstellungsvermögen klar überstiegen haben und
  • Ich diese Eindrücke und Erlebnisse nicht vermissen möchte.
  • Sigrid für mich unglaublich wichtig ist.
  • Ich mein Leben in Ordnung bringen muss.

Ich werde das Projekt 1,5 Jahre machen, noch vor meinem 60ten Geburtstag heiraten, meine aktive Arbeit beenden und einmal um die Welt reisen!

Das ist kein Plan, sondern MEIN Leben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.