Wenn nichts mehr geht

Die Route: März 2017

Neues Spiel

27.3.2017
Nach Weihnachten, Silvesterfeier, Schi fahren, alte Bekannte treffen,  … hat die Gestaltung meiner Website viel Zeit in Anspruch genommen – ohne AssistentIn, IT, Marketing, Corporate Communication war das echte Knochenarbeit!
Das Reifenthema ist in Südamerika ein echtes Problem, ich habe versucht Reifen nach Bolivien zu senden: Die Paketdienste verlangen dafür 800.- €, das ist bei einem Materialwert von 240.-€ ein massiver Teil, besser Vielfaches. Die Post: Paketversand kostet 51.-€, dauert 15 Tage. Kurz: Trotz zweimaligen Versuchs kam das Paket nach zwei bzw. vier Wochen wieder zurück, so what!

Ende März 2017 über Frankfurt, Sao Paulo, Santa Cruz nach Tarija, die Dekeysers holen mich vom Flughafen ab, im Hotel La Pasarela verbringe ich zwei erholsame Tage, Jetlag ade. Die BMW springt problemlos an, Gepäck verstaut. Erstes Ziel ist Sucre, Boutique Hotel Samary, wieder ein echter Genuss. Nach Cochabamba eine schöne, gut ausgebaute Straße, Kondore fliegen wie bei uns die Schwalben am Himmel. Ich fahre auf einen italienischen Biker auf, gemeinsam durch die Berge. Bei der Abzweigung nach Santa Cruz bleibt er stehen, sein Name ist Tommy, er ist im November in Buenos Aires gestartet und möchte bis Kanada, er kommt aus Cuneo, eine meiner besonders geliebten Gegend im Piemont. Die Straße führt bis über 4.200 Meter und die 1994er Transalp von Tommy kommt ordentlich ins Schnaufen – mehr als 90 kmh sind nicht drinnen. Das Hotel Briston in Cochabamba ist erst seit zwei Monaten geöffnet, die BMW parkiert in der Marmorhalle im Eingangsbereich – so sollte es sein! Tommy macht auf Couchsurfer und ist etwas außerhalb einquartiert – mit seinem Host“girl“ kommt er in die Stadt, sie möchte ihn zu einem besonderen Restaurant führen, da bin ich dabei! Sie holen mich im Hotel ab, ich war bereits vor einem halben Jahr für einige Tage hier, wir gehen durch viele mir bekannte Straßen und Gassen, vorbei am Aparthotel Regina, das Hotel in dem ich damals war. Letztendlich landen wir im Restaurant unweit vom Regina in dem ich bereits gut gegessen habe! Wir essen gemeinsam Pique, DAS Gericht in Bolivien – klein geschnittenes Rindfleisch, Wurststücke, Tomaten mit Sauce auf Pommes frites. Silvia und Victor, zwei Spanier, also Katalanen aus Barcelona, kommen noch dazu, sie leben seit einem Jahr in Cochabamba und möchten noch ein weiters Jahr hier bleiben – ein sehr gelungener Abend! Im Hotel Briston funktioniert alles Bestens, alles neu, tolles Frühstück, ich bezahle 21.-€!!! Als erste Herausforderung habe ich die Ruta 25 geplant – von Cochabamba über die Berge in die Yungas, die Yungas Road = Death road nach Coroico und La Paz. Es hat viel geregnet, die Regenzeit sollte eigentlich schon seit einigen Wochen vorbei sein, aber auch heute dichte Wolken, Nieseln, … steinige Abschnitte wechseln mit Erde. Die Wildbäche aus den Bergen laufen direkt über den Weg, das Queren ist in der Regel keine große Sache, einige Bäche sind etwas größer – die ersten Überwindungen… Ist für ein Motorrad in der Wüste der tiefe Sand eine kräfteraubende Angelegenheit, so ist es, bereits auf der Zufahrt in die Yungas, der tiefe Matsch! Ich bin – noch – nicht sicher was mir lieber ist … Für die 150 Kilometer brauche ich 5 Stunden. Indenpendencia ist ein kleiner Ort mitten in den Bergen, Hotel Inti Wasi, Rosanna, die Hotelbetreuerin ist nicht zu Hause, ihr Nachbar hilft mir weiter: Anruf bei Rosanna – meine bolivianische Simkarte funktioniert bestens! Mitten in den Bergen! Sie hat ein Zimmer frei, vier Betten, Wohnzimmer, Küche,  Badezimmer – für 70 BOB = 9,-€! Abendessen am Plaza – die Auswahl: gebackenes Huhn oder Pique, na dann Pique für 20 BOB = 2, 50 € – mit zwei Liter Wasser. Platas, Manzanas, Agua minerale, … am Markt. Der Ort ist direkt am Berg, die Straßen sind teilweise unbefestigt, außerordentlich steil, teilweise mit großen Steinen gepflastert, mit dem Bike jedenfalls fordernd. Kalte Dusche, die elektrische Heizung am Duschkopf funktioniert nicht – auch Rosanna weiß keine Abhilfe – Magnana … wer’s glaubt!

Früh raus, der Plan ist 260 Kilometer nach Chulumani, das geht dann auch schon mitten in die Yungas. Dichte Wolken, Nebel, „tiefes Gelände“ schon im Ort. Nach leichtem Nieselregen beginnt es stärker zu regnen, das macht die „Straßenverhältnisse“ nicht besser. Der Matsch ist teilweise so tief, dass die Zylinder in den Wannen eintauchen. Der Motor dreht nur bis 4.000 Umdrehung, dann wie abgewürgt, ausschalten,  einschalten, … geht wieder, irgendetwas scheint sich anzubahnen… Unzählige Windungen,  Kehren, Gatschlöcher später: Ein Erdrutsch hat die Straße verschüttet, Fahrzeuge sind einfach drüber gefahren. Ziemlich steil, ziemlich weich, … schaffe es bis zur Hälfte, dann hat sich die BMW bis zur Bodenplatte in den weichen Boden gefräst. Die GS steht auch ohne Ständer stramm aufrecht. Ich grabe, schiebe, hebe die BMW eine Stunde … zwei Meter, dann geht nichts mehr. Ich bin am Fuße eines Berges, etwas unterhalb ein Flussbett, eineinhalb Kilometer breit. Am gegenüber liegenden Ufer sehe ich ein Auto… nach zwei Stunden haben Jean-Michel und seine Frau Marie-Francoise den Fluß überquert, das Wasser ging bis über die Motorhaube – war für mich wie fernsehen. Dazwischen arbeite ich weiter an meiner misslichen Lage. Schließlich ziehen wir die BMW mit dem Landrover Defender aus dem Dreck. Die 3.000 Höhenmeter, die Anstrengung haben mich völlig ausgelaugt, ich kotze mir die Eingeweide aus dem Leib. Marie-Francoise ist Ärztin,  sie versorgt mich mit allem Nötigen: Suppe, Tee,  getrocknete Früchte – Glucose, Salz, … Puls permanent 155, erst nach zwei Stunden bin ich wieder fit. Schön langsam kommt in mir auf, dass der tiefe Sand in der Atacama das „Angenehmere“ ist, hätte nicht gedacht, dass es so weit kommt. Nachdem es zu Mittag aufgeklart hatte, brennt nun die Sonne voll herunter. Die Rute 25 ist durch einen Erdrutsch 300 Meter weiter völlig verschüttet, es ist nur der Weg über den Fluss möglich, die beiden Franzosen haben mit Hilfe eines Guides das Flussbett überquert, schon das war grenzwertig. Es ist die einzige unpassierbare Stelle bis La Paz, aber für mich ist hier Schluss, wir fahren gemeinsam zurück nach Indenpendencia – zu Rosanna. Sie hat ein Appartement mit vier Zimmer, Küche,  Bad, das nehmen wir gemeinsam für 20,-€. Jean-Michel serviert Pisco sour, danach Selbstgekochtes. Marie-Francoise hat viele Fotos und Videos von der Querung und dem Herausziehen des Bikes gemacht, ich bekomme einen USB stick mit den Aufnahmen – Ein erlebnisreicher, anstrengender Tag.

Die Beiden fahren am nächsten Tag nach Cochabamba, ich möchte nach La Paz. Walter, aus dem Hotel Oberland hat bei Andar Motors einen Servicetermin für den nächsten Tag vereinbart – den brauche ich jetzt unbedingt, die Motorkontrollleuchte leuchtet immer wieder auf. Der Weg über die Berge ist sehr eindrucksvoll, Fotos, in einem kleinen Ort mache ich Halt – ?donde es Gasolina porfavore. Einige Häuser weiter gibt’s Benzin. Mit dem Trichter geht es nicht wirklich gut, die Schlauchpumpe funktioniert wesentlich besser, und einfacher. Mittlerweile ist das halbe Dorf auf der Straße, Gelächter, sie möchten meine Schlauchpumpe kaufen, …  ich kaufe noch etwas Obst und Waffeln – Mit vollem Tank weiter. Bei einer kleinen Ansiedlung fallen wieder einmal die Hunde über mich her, bleibe stehen, damit bin ich für sie uninteressant, versuche einen WhatsApp-Videoanruf mit Sigrid, und: geht perfekt! Vor zwei Jahren hatte ich in Stadtzentren oft keine Möglichkeit, jetzt mitten in den Bergen, Einöde – es funktioniert! Die letzten 200 Kilometer sind gut asphaltiert, nur die BMW läuft nicht rund, die Motorkontrollleuchte kommt immer wieder, manchmal ist bei 4.000 Umdrehung Schluß, maximal 170 kmh sind drinnen, und das klingt gequält. Über El Alto nach La Paz, geht relativ flott bis zum Hotel Oberland in Mallasa. Abendessen mit Walter,  Chateaubriand vom Besten. Mit der BMW zu Andar Motors, Sebastian nimmt alles auf. Er spricht perfektes Englisch, ruft regelmäßig an, leider geht es nicht all zu schnell … we will see. Um 8:30 bei BMW, möchte etwas die „Motivation“ steigern und: Die GS ist fertig!!! Bin total überrascht, hatte gestern noch ganz anders ausgesehen. Probefahrt: Mein „altes“ Bike is back! Beim Abendessen treffe ich einen Freund von Walter, er fährt mit Kartographen durch Bolivien – ich bekomme noch unzählige Tipps für Touren – da geht noch was! Verschlafe am nächsten Morgen, möchte zum Titicacasee, dazu muss ich durch El Alto. Walter beschreibt mir einen Weg, der die geschäftigsten Zonen auslässt, ich brauche trotzdem 1,5 Stunden durch die verstopften Straßen und Wege – überall ist buntes Markttreiben, mitten auf der vierspurigen Hauptstraße. Von bolivianischer Seite muss man mit einer Fähre einen Kilometer auf Copacabana übersetzen, ein wackeliges Unterfangen, die GS schwankt gefährlich, zu dritt halten wir sie aufrecht. Die Abfahrt von der Fähre ist noch abenteuerlich, die Bretter sind lose verlegt, riesige Spalten, das Holzboot schwankt ziemlich, das Bike muss retour geschoben von der Fähre, zu viert schaffen wir es letztendlich. Mit einem jungen Pärchen aus Cochabamba unterhalte ich mich auf der Überfahrt, im Hotel Gloria beziehe ich ein Luxuszimmer mit tollem Ausblick auf den See, Cafe und Eispala mit dem Pärchen,  das ich bereits auf der Fähre getroffen habe.
Wasserprobe: Wärmer als ich dachte.

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