Tropenhitze und Polarkälte

Die Route: September 2017

Es ist Winter: Im Regenwald heißt das Trockenzeit; in den Anden ist Schisaison

Ich bin zwar schon einige Zeit unterwegs und der Weg über Bolivien ein Umweg ins Pantanal, es wird sich sonst nicht mehr die Möglichkeit ergeben ins Beni von Bolivien zu fahren … Riberalta, Rurrenabaque, … Von Riberalta quer durch das Beni nach Rurre – im Interent habe ich Horrorvideos gesehen: Baustellen, überflutete Erdstraßen, … Autos bis weit über die Räder im Schlamm. Die jetzige Trockenzeit ist natürlich eine ganz andere Strecke. Ich erwarte für die 500 km zwei Tage Fahrzeit. Gleich nach der Stadtgrenze von Riberalta beginnt die Naturstraße, sie ist ziemlich breit, es wird an allen Ecken und Enden gearbeitet. Die Straße geht schnurgerade durch den Regenwald, ich komme gut voran. Das Thermometer auf der BMW zeigt 40,5! Gegen Mittag kommt die Hoffnung auf in einem Tag nach Rurre zu kommen! Fotos von der Strecke, immer wieder Häuser entlang der Straße und … Baustellen. „Hoi Gasolina“ – ich bleibe bei einer Ansiedlung von einigen Häusern stehen, mein rechtes Bein ist in einem Loch, zu kurz, die BMW fällt langsam um, so ein Sch… Ein LKW kommt entlang, bleibt stehen, zu dritt heben wir das Bike hoch – ganz easy und ohne viel zu fragen geht das in Bolivien

Ich fahre zu dem einen Haus, welches etwas abseits der Straße liegt, Schweine laufen frei herum, ich sehe in das Haus, Lehmboden, ein Herd, ein Tisch, Sessel, sonst keine Einrichtung. Die Familie sitzt beim Essen. ¨? Este Gasolina¨ Die junge Frau kommt zum Eingang, ¨Si, ? quanto¨ Viente litros … Sie pumpt aus einem Fass im Haus einen zehn Liter Kanister voll. Mit der Schüttelpumpe geht´s easy in den Tank, der zweite Kanister und ich bin wieder ausreichend versorgt. Die ersten vierhundert Kilometer sind ein echtes Kinderspiel, ganz einfach. Ab Santa Rosa de Yacuma wird es dann anders. Rechts und links ist Wasser, Sumpfgebiet,  der Wasserspiegel ist vielleicht 20 Zentimeter unter dem Straßenniveau. Wenn  man weiß, dass im Amazonasgebiet der Wasserpegel um 6-7 Meter zwischen Trocken- und Regenzeit wechselt … auch der Straßenbelag ändert sich, war es bisher eine harte Erdstraße wird es nun entweder tiefer Sand oder tiefe Spurrinnen, die von Fahrzeugen aus der Regenzeit übriggeblieben sind. Den Jaburi am Straßenrand muss ich trotzdem fotografieren, auch die Capybara Familie suhlt sich direkt an der Straße im Wasser. An einigen Streckenabschnitten wird an dem Neubau der Straße gearbeitet – riesige tiefe Rinnen beidseitig der Straße – denke für die Entwässerung?! Der Belag selber ist sehr weich und die Räder graben sich darin ein – für den 19 Zoll Reifen vorne ein Fressen zum unkoordinierten Einlenken – viele Manöver und einige Hinfaller, ich habe Glück, immer ist jemand zur Stelle und hilft mir beim Aufstellen (Motorradfahrer, LKW-Fahrer, …). Für die 100 Kilometer brauche ich über vier Stunden, kein Vergleich, wenn Regenzeit wäre. Ich verstehe jetzt die Angaben, dass Riberalta in der Regenzeit nur mit dem Flugzeug erreichbar ist. Völlig durchgeschwitzt und ziemlich am Ende komme ich in Rurrenabaque an, im Internet finde ich schnell ein gutes Hotel, schöne Lage am Fluss. Abendessen im Restaurant, empfohlen vom Hoteleigentümer, gutes Essen. Viele ausländische Touristen in der Stadt, die Geschäfte und Lokale sind ganz dem Tourismus gezollt… dieser steht ganz im Blickpunkt des Madidi Nationalparks, einem der imposantesten Regenwaldparks im Amazonasgebiet. Nachdem ich bereits im Mai in Iquitos direkt am und im Amazonas war, spricht mich das Angebot nicht wirklich an. Mit dem Hoteleigentümer rede ich noch über die Straße nach La Paz – die ist nach seiner Aussage durchgehend asphaltiert ist – verstehe nicht, warum die immer schreiben, dass man für die 500 km 16 Stunden von La Paz nach Rurrenabaque braucht!? Ich möchte aber zwei Tage Halt in Coroico machen, ein Bekannter ist aus dieser Stadt in der bolivianischen Selva, seine Mutter hat bis zu ihrem Tod dort gewohnt, vielleicht finde ich ihr Grab und kann ihm ein Foto schicken!? Die ersten 140 Kilometer sind wirklich gut asphaltiert, entlang der Straße überall Häuser in den Urwald gebaut. Dann geht es in die Berge, damit ist der Asphalt auch schon zu Ende. Enge Kehren, immer wieder kommen mir vereinzelt LKWs entgegen, irgendwann komme ich mir allein vor. In einem Dorf wurden die Autos in meiner Richtung angehalten, ich frage einen Autofahrer was los ist, er weiß es nicht, ich spreche mit dem „Fahnenträger“ qin seiner Sprache, wir verstehen uns perfekt und  … ich fahre weiter. Komme gut voran, fünfzig Kilometer weiter ist die Durchfahrt in einem Dorf etwas unklar, Baustelle, alles aufgegraben, ich fahre über die Hügel weiter, grüße die Bauarbeiter freundlich, außerhalb des Dorfes ist die Straße mit einer Kette abgesperrt, wie immer: Ich spreche mit dem Posten in seiner Sprache, verstehe kein Wort und – er sperrt die Kette auf und ich fahre weiter – na geht doch! Bin sehr optimistisch und freue mich, dass alles so gut klappt. Eva und Willi, die beiden Steyrer haben mir noch im Frühjahr erzählt, dass die Strecke die ganze Woche wegen Bauarbeiten tagsüber gesperrt ist und nur während der Nacht befahren werden kann. Nicht, dass die Straße in einem guten Zustand ist, aber ich komme immerhin weiter. Am Wegesrand sehe ich ein kleines Tier im Gras sitzen, ich bleibe stehen um es zu fotografieren. Von oben höre ich aufgeregt einen Mann schreien, in der einheimischen Sprache … er gestikuliert wild vor sich hin, schreit, … jetzt fotografiere ich auch ihn, das muss jetzt sein. Er wird noch wilder und beginnt herunter zu laufen. Ich packe den Fotoapparat ein, starte das Bike, Hand zum Gruß und Adé. Etliche Kehren weiter steht ein Auto am Straßenrand, etwas weiter vorne zwei LKWs, die Straße ist abgesperrt. Ein riesiger Hangrutsch hat die Straße verschüttet beziehungsweise in die Tiefe gerissen. Ein  Caterpillar Schaufelbagger und ein Komatsu Raupenschieber arbeiten in schwindelnder Höhe. … mit der Dame an der Fahne … in der Einheimischensprache … die Straße ist bis 17 Uhr gesperrt … das sind vier Stunden … o.k., die Straße ist nicht wegen Bauarbeiten gesperrt und daher nur in der Nacht befahrbar, nein, sie ist wegen eines Hangrutsches gesperrt. Andere Ursache, gleiche Auswirkung … nicht ganz, immerhin bin ich doch schon ziemlich weit gekommen und andere Wartende erzählen mir, dass nur wenige Kilometer danach die asphaltierte Straße beginnt. Ich warte die vier Stunden mit Beobachtung der Bagger wie sie zuerst in schwindelnder Höhe das Material verteilen, in die Tiefe baggern, … später die tieferen Passagen und schließlich das Straßenniveau bearbeiten. Zwischendurch Konversation mit einer bolivianischen Ärztin. Sie ist mit einem Rettungswagen vor der Baustelle und muss auf die Weiterfahrt warten. Im Rettungsauto liegt eine Frau, die ziemlich jammert, ihr Mann kümmert sich sorgsam um sie. Ihr Fahrer ist ein „wichtiger Mann“ bei der Armee, er hat bereits mit La Paz telefoniert, dass sie einen Notfall haben und die Straße sofort freizugeben ist??? Als sie das erzählt verdreht sie die Augen und macht den Scheibenwischer. Immer wieder kommt sie rüber und wir reden in der Einheimischensprache, also sie auf Englisch und ich in Spanisch …  sie über ihre Arbeit, ich über meine Reise. Mit 17 Uhr ist natürlich nix, wird eine Stunde später, aber eigentlich ist es wie Fernsehen, man schaut bei etwas zu bis es aus ist und geht dann ins Bett. Ich muss noch 100 Kilometer weiter. Der Rettungswagen fährt als erster durch, ich lasse mir etwas Zeit bis der Gegenverkehr durch ist, dann ist auch die Fahrbahn nicht mehr so weich und leichter zu befahren. Nach einigen Kilometern beginnt wirklich die asphaltiert Straße und ich komme schnell weiter, überhole auch den Rettungswagen. 30 Kilometer vor Coroico beginnt wieder eine wilde Berggegend, durch enge Täler und mit Asphalt ist Schluss. Die Straße ist sehr ausgesetzt und führt waghalsig durch das Schlucht ähnliche Tal, entlang des Flusses. Mittlerweile ist es finster geworden, ich sehe nur mehr im Scheinwerferlicht, vielleicht ist das aber auch ganz gut so … Die 30 Kilometer ziehen sich ordentlich, es ist auch viel Verkehr, viele LKWs, in meiner Richtung und im Gegenverkehr, die Straße ist so eng, dass zwei Autos nicht problemlos aneinander vorbei kommen, wenn sie es erkennen bleiben sie schon mehrere hundert Meter vorher an einer breiteren Stelle stehen und warten, ansonsten wird abenteuerlich zurückgeschoben. Es ist schon acht Uhr als ich bei der Abzweigung nach Coroico ankomme, noch 16 Kilometer bis in den Ort. Ich zweige links ab und denke mir noch, das kann es nicht gewesen sein. Der Weg wird zu einem Martyrium, steil, Kopfsteinpflaster, Wasser läuft die Straße runter, engste Kehren, dass ich mit dem Bike reversieren muss, der Belag wird immer schlechter. Nach fünf Kilometer beschließe ich umzukehren – den ganzen Weg wieder runter … ich keuche wie ein Marathonläufer, bin auch so fertig … komme ohne Sturz wieder runter und fahre die Straße entlang weiter. Nach 15 Kilometern kommt die richtige Abzweigung und ich erreiche spät aber doch das Hostal Villa Bonita, ¨Bist Du der Anton?¨ höre ich aus der Finsternis.

Gianni ist Schweizer, lebt mit seiner Familie hier in Coroico und betreibt das Hostal. Ich beziehe das Gartenhaus auf der kleinen Anhöhe, einfach eingerichtet aber alles vorhanden. Am nächsten Tag mache ich mich auf die Suche nach dem Friedhof. Geri kommt aus Coroico. Seine Mutter lebte hier, sie ist vor einigen Jahren verstorben. Giannis Frau bereitet mich seelisch vor: Der Friedhof ist nicht sehr gepflegt, um nicht zu sagen eine Schande … Ich mache mich zu Fuß auf den Weg, verlaufe mich einige Male, lerne aber so den Ort kennen. Gianni und seine Frau haben nicht zu viel versprochen, der Friedhof ist wirklich eine ¨Gstätten¨, ich suche nach Fr. Encinas, etliche Stunden, frage den Friedhofswärter, … kann aber das Grab leider nicht finden. Schade, oder wie Hr. Lunzer zurück schreibt: der Wille geht übers Werk. Mein Werkzeugkoffer hat mittlerweile Risse bekommen, der Schlosser im Ort richtet´s. Ich repariere noch den Schaden am Scheinwerfer – mit der Heißklebepistole, aber: hält perfekt. Mit Gianni verbringe ich einen netten Abend in seinem Haus. Er erzählt wie er als Backpacker hier her gekommen ist, seine Frau kennenglernt hat und schließlich das Haus von einer deutschen Frau gekauft hat. Eigentlich zieht er Asien vor, aber: Wie das Leben so spielt. Mit seiner Frau war er für zwei Jahre in der Schweiz, hat sich nicht so entwickelt wie gedacht. Nun haben sie ihr Leben in Corioco aufgebaut, sie haben mittlerweile zwei Kinder und fühlen sich sehr wohl in Bolivien, auch wenn es viele Schwierigkeiten im Land und auch im Ort gibt. Als gelernter Konditor ist er bis La Paz für sein vorzügliches Eis bekannt, viele Gäste kommen nur wegen des Helados zu ihm – leider gibt es Eis nur von Mittwoch bis Sonntag und ich komme so nicht in den Genuss. Über die Camino del Muerto fahre ich weiter nach La Paz, ins Hotel Oberland. Der Wetterbericht ist schon seit Tagen nicht vielversprechend, trotzdem bin ich bis jetzt trocken geblieben, auch die Death Road liegt im Sonnenschein. Beim letzten Mal bin ich von oben nach unten gefahren, dieses Mal von unten nach oben. Etliche Radfahrergruppen kommen mir entgegen, das ist heute die größte Gefahr in der Death Road. Der andere Verkehr geht über die neue, asphaltierte Rute 3. Der Pass liegt auf knapp 4.500 Meter, erst kommt der Nebel, dann der Regen, dann der Hagel … Ich komme ziemlich durchnässt im Oberland an. Walter ist noch in der Schweiz, sollte im Laufe des morgigen Tages wieder zurückkommen. Treffe Gerd beim Quad-Verleih, netter Plausch. Am nächsten Tag zu BMW. Das Bike läuft nur 160kmh, irgendetwas stimmt nicht. Brauche auch einige Ersatzteile. Sebastian bemüht sich sehr, von allen Teilen haben sie aber keines auf Lager. Im Hotel sind auf dem Parkplatz im Oberland zwei Campingwägen /-trucks – geparkt: Jacqueline und Fred aus der Schweiz, Henni und Michael Bocklet aus Koblenz. Michael besitzt eine Firma, die Campingfahrzeuge zusammenstellt – Sein riesiger Truck ist wie von einem anderen Planeten, komplett eigenversorgt. Beim Abendessen mit Jacqueline und Fred erfahre ich viele Informationen über den Teil der Reise der mir bevorsteht: Von Santa Cruz de la Sierra nach Brasilien, das Pantanal … Hilft mir sehr in meiner Planung, die war bis jetzt sehr rudimentär, um nicht zu sagen: Nicht vorhanden. Siehe Homepage von www.fjrupp.ch. Von La Paz nach Cochabamba, Gerd sagt mir noch beim Abschied, dass er im Internet Bilder über die gesperrte Straße von Oruro nach Cochabamba gesehen hat: In der Nacht war wildes Schneetreiben, steckengebliebene Busse, … Die Ausfahrt über El Alto ist relativ problemlos, ich komme gut voran. In einem kleinen Dorf kaufe ich Obst, dabei treffe ich ein junges Pärchen aus Belgien. Sie sind schon drei Monate mit den Rädern unterwegs – von Kolumbien nach … Ushuaia – what else. Sie sind gut drauf und denken, dass sie das Ziel in sechs Monaten schaffen werden. Bei der Auffahrt zum Pass nach Cochabamba beginnt es leicht zu regnen, fast die gesamte Strecke ist Baustelle und zum Teil ¨tief¨ – Neben der Straße liegt Schnee und es wird empfindlich kalt, ich habe mittlerweile mehrere Pullover und die Daunenjacke unter der Motorradjacke, die Kapuze unter dem Helm, etliche Minusgrade – die Strecke zieht sich. In Cochabamba ist es ungleich wärmer und angenehmer. Am Morgen gehe ich mich zum Geld wechseln am Hauptplatz, bei meinem Abstecher nach Brasilien konnte ich kein einziges Mal Geld vom Automaten abheben – das macht mir etwas Bedenken. Der Kurs Real / Dollar ist akzeptabel und ich bin zumindest für einige Tage flüssig. Bolivianer hatten mir von Buena Vista erzählt und dem Amboro Nationalpark – das ist mein nächstes Ziel. Die Strecke über die Berge ist gut ausgebaut, schöne Landschaften und ich erreiche Buena Vista. Am Hauptplatz ins ¨Tourismusbüro¨ – dort bekomme ich den Tipp Residence El Tucan. Nettes Hotel von einem ehemaligen bolivianischen Fußballer – Neil Rivero. Ich buche bei Amboro Tours eine Dreitagestour. Zwei Stunden Fahrt von Buena Vista ins Camping Camp, zuerst über einen ziemlich breiten Fluss, wir gabeln eine alte Frau, die gebückt und schon etwas beschwerlich mitten im Fluss geht, auf. Sie fährt die nächsten zwanzig Kilometer mit in ihr Dorf … wir haben noch. Das Camping Camp besteht aus zwei Häusern, von denen eines zugesperrt ist – für die Ranger. Das andere ist die Küche = Offener Ofen.

Ich bin mit meinem Guide die drei Tage allein unterwegs, wir machen jeden Tag ausgedehnte Wanderungen durch den Park, viele kleine Wasserkatarakte, viele Bäume, wenige Tiere. Mittags haben wir Früchte mit, am Abend wird gekocht – Huhn mit Reis, Nudeln, … Die Nächte im Zelt sind ok. Waschgelegenheit am nahegelegenen Fluss. Ich bin trotzdem froh, als die drei Tage vorbei sind. Ziehe wieder zu Neil ins El Tucan. Gemeinsam machen wir noch einen Abstecher in die Queseria Suizza, die Besitzer sind zwei Schweizer, leider heute nicht im Betrieb, guter Kaffee, Frühstück. Nach Santa Cruz sind es nur drei Stunden, dort beziehe ich das Hotel Arenal. Die Stadt ist in Vorbereitung für das große Fest des Departementes Santa Cruz und der Hauptplatz ist voll bestuhlt, Bühne, … ich decke mich mit einer Schachtel Cohibas ein. Mittagessen in einem Schnellimbiss – McDonalds auf bolivianisch, das ist auch das erste Mal, dass ich bei einem Schnellimbiss einen bewaffneten Security sehe – Nicht als Gast!!! Beim Abendessen gibt´s dann Musikbegleitung von Udo Jürgens – Griechischer Wein. Im Hotel: riesiges Bett, blendend weißes Bettzeug, es juckt mich an einigen Stellen, auf dem weißen Leintuch sehe ich etwas herumkrabbeln, eigentlich zwei „Etwase“ – Brille: Zwei Zecken! Die nächsten drei Stunden verbringe ich damit über dreißig Zecken den Garaus zu machen … Ich kann mit Sicherheit sagen, das sind die mit Abstand meisten Tiere die ich vom Amboro Nationalpark zu Gesicht bekommen habe. Nettes Frühstück, in bestem Deutsch: Bist Du der Niederösterreicher mit dem Motorrad? Ein netter Herr mit großem Schnurbart kommt auf mich zu – Gerhard ist mit seinem Sohn in Santa Cruz, er hat in den USA ein Boot mit Propeller gekauft und möchte es nun nach Brasilien bringen. Er kommt ursprünglich aus St. Pölten, lebt aber schon viele Jahre in Südamerika, die meiste Zeit in Bolivien. Weil sich die politische Lage sehr stark verändert hat und für Ausländer schwierige Zeiten sind, ist er mit seiner Familie vor drei Jahren nach Brasilien gezogen. Wir tauschen Telefonnummern aus und die Zusage, dass ich ihn besuchen komme, wenn ich nach Corumba komme – gleich vorweg: Ich werde die Familie in ihrem Haus und ihrer Stadt treffen und viele schöne Stunden dort verbringen. Vielen Dank besonders für die herzliche Aufnahme und die tolle Unterstützung, ohne die sich vieles nicht so entwickelt hätte. Mein Plan ist über San Jose de Chiquitos nach San Ignacio und entlang der brasilianischen Grenze nach Cuiaba. Gerhard meint: An der Grenze sind aber viele Gauner und ich solle vorsichtig sein. Sonst ist diese Gegend sehr interessant, vor allem weil es sich um eine Ansammlung alter Jesuitenklöster handelt, die Priester und Nonnen sind Österreicher und Deutsche. Erste Etappe San Jose de Chiquitos. Suche das Hotel, das GPS führt mich auf einen vollkommen falschen Ort, frage mich durch, fahre um den Plaza, … ein Landrover hält, der Mann erklärt mir in schlechten englisch, dass ich gegen die Einbahn fahre??? Er ist der Security Beauftragte der Stadt. Irgendwie habe ich jetzt ein Déjà-vu, das hatten wir doch schon in Guyaramerim?! Ich zeige ihm, dass keine Schilder sind, er meint lapidar, dass sie noch keine Zeit und Geld dafür hätten, die Schilder kommen dann irgendwann nächstes Jahr, aber: Der Beschluss im Gemeinderat ist vor einem halben Jahr getroffen worden und gilt?! Wir treffen uns später noch zu einem gemeinsamen Kaffee am Plaza. Auch er kennt das Hotel nicht, frage bei den Mototaxis – keine Ahnung!!! Finde das Hotel selber, gleich um die Ecke; nettes neues Haus mit einem jungen Besitzer der perfektes englisch spricht – studiert und in den USA gearbeitet hat. Abendessen in einem nahegelegenen Grillrestaurant, am Nebentisch ein etwas angeheiteter Gast, im Fernsehen verliert eben die Fußballmannschaft von Cochabamba gegen Riverplate 0:8, er amüsiert sich köstlich, spricht mich an, verstehe kein Wort??? Letztendlich bekomme ich mit, dass er Brasilianer ist. Wir reden in der Einheimischen Sprache weiter … er erzählt mir, dass der Pfarrer ¨Hubitsch¨ in San Jose aus Österreich ist???!!! Er schreibt auf einen Zettel ¨Hubert¨. Mach mich auf den Weg in die Kirche, Abendandacht, diese wird von den Gläubigen selber praktiziert.

 

Kommentare (2)

  1. Florian Hammer

    Toller Reisebericht Toni, ich hab richtig mitfühlen können. Beeindruckende Bilder.

  2. Stefan Baschny

    Hallo lieber Toni
    danke für diesen großartigen Bericht
    ich lebe hier förmlich mit dir mit
    Freue mich schon wenn wir uns in Wien treffen
    Weiterhin gute Reise
    liebe Grüße
    Stefan

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