Mongolei – First Impressions

Von der russischen bis zur mongolischen Grenzstelle sind es über zwanzig Kilometer ins Landesinnere. Einige Autos warten vor dem Tor, auch die beiden russischen Freunde stehen an. Die Einreiseprozedur ist nicht unangenehm, aber äußerst kompliziert und zeitaufwändig, etliche Laufzettel, Kontrollpapiere werden ausgestellt, verstehe den Sinn nicht ganz, da er zwischen den beiden Polizistinnen hin und hergeschoben wird und letztendlich einbehalten wird?! Das war jedoch nur um in die Grenzstelle einfahren zu dürfen, weiter zum Zollgebäude: Passkontrolle, das heißt warten. Weiter zur Verzollung für das Motorrad. Entgegen vieler Beschreibungen muss kein Geld für die temporäre Einfuhr hinterlegt werden. Einer meiner russischen Freunde hat sich bei der Bank angestellt um Geld zu wechseln – es dauert eine Stunde, obwohl nur eine Person vor ihm ist! Ich tausche meine letzten kasachischen Tenge bei der Ausfahrt aus der Grenzstation – etwas „windige Gestalten“, schlechter Kurs, aber ich bin die Tenge los und habe einige Tugrik. Die Versicherung für das Motorrad geht dafür unheimlich schnell, keine zwei Minuten, zehn Dollar für zwei Monate. Treffe die russischen Biker nach einigen Kilometern bei einer Jurte, Einkehr bei Buttertee, Keksen, … Alles vorhanden, von den typischen Einrichtungen in einer Jurte mit dem nicht wegzudenkenden Ofen in der Mitte bis zum Fernseher mit Satellitenanschluss. Bis Ölgii fahren wir gemeinsam, ich mache Halt beim Blue Wolf Ger und im Hotel nebenan. „Typisches“ Abendessen im Pamukalle – ein türkisches Restaurant – eines der guten in der Stadt. Geld gibt es beim Bankomaten, eine SIM Karte gleich gegenüber vom Pamukalle.

Wasserunterbrechungen und Stromausfälle im Hotel, der Lärm der anderen Gäste – ich beginne mich an die Mongolei einzugewöhnen. Die Straße nach Chowd ist noch über weite Strecken im Bau, die Umfahrungen gehen über Wiesen und Hügel, es schüttet und die Strecke ist relativ „tief“ ausgelegt = Matsch. Erste Eindrücke von der Landschaft, wenngleich etwas „verschwommen“. Die BMW läuft teilweise noch unrund, es wird aber immer besser. In Chowd gibt es einige sehr gute Hotels – alle ausgebucht. Ich finde ein weniger Gutes, im Vergleich zu den Anderen noch dazu teuer. Die Stadt ist der Ausgangspunkt für Touren ins Altai, es sind unglaublich viele Touristen in 4×4 Autos und Fahrer in der Stadt. Teilweise sind sie mit Trolley Koffern unterwegs, riesige Dinger, das wirkt dann doch etwas schräg. Nach dem Tanken ist alles wieder bestens, der Motor der 1200er schnurrt wieder rund.

Nach Altai ist die Straße bereits durchgehend asphaltiert. Der Regen hat aufgehört, ich werde auf der gesamten Tour durch die Mongolei mein Regengewand nicht mehr benötigen. Der Weg über die Berge nach Uliastai ist ein erster Höhepunkt in der Mongolei. Die Strecke geht in der hügeligen Landschaft über Wiesen, die Wege werden von den Autos direkt „angelegt“, ist ein Fahrstreifen ausgefahren wird einfach daneben ein neuer Weg befahren. Der Untergrund ist relativ eben und hart, es ist mit dem Motorrad jederzeit möglich in die Wiesen abzubiegen und einfach durch die Gegend zu fahren, mit dem GPS kann man gut die Richtung navigieren. Die besten Tage von Uliastai sind bereits vorüber, der Ort ist aber für die Mongolen ein beliebter Urlaubsort. Rundfahrt durch Uliastai: Eine Feier in einem öffentlichen Gebäude mit vielen traditionellen Gewändern, Siedlungen, gemischt aus Häusern und Jurten, etliche Ger Camps für Urlauber, Restaurants. Ein Fluss durch den Ort, Pferde stehen bis zum Bauch im Wasser, viele Pferde. Kinder baden neben den Pferden, immer wieder kommen Autos und füllen Wasser aus dem Fluss in Kunststofftanks und Kanister?!?! Die Leute sind sehr freundlich, ich finde leicht Kontakt. Über die Hälfte der Einwohner der Mongolei wohnen in Ulaanbaatar, die sprechen gut Englisch. Die rund tausend Kilometer nach Uliastai fahren sie in Kleinwagen, über Wiesen, Hügel, … in einem durch, in „cirka siebzehn Stunden“! für einige Tage, Stunden Urlaub.

Die Strecke nach Norden ist wegen dem Ausbau der Straße (vierspurige Asphaltfahrbahn …) gesperrt, die Ausweichroute über Yaruu ist dafür ein Erlebnis. Weite Hügel, Wiesen, Pferde, Yaks, Jurten, … klischeebehaftete Landschaft der Mongolei. Navigation, Karten? Nichts davon! Weder Google noch Open street maps oder meine Mongolei Straßenkarte zeigen Wege, verfahren vorprogrammiert – ich genieße die Fahrt. Etliche kleine Flussdurchfahrten, Familien kommen zum Baden. Halte etliche Male an, rede mit den Leuten, frage immer wieder nach dem Weg, werde oft in die Irre geschickt. Stört mich überhaupt nicht, da die Landschaft unheimlich viel hergibt und irgendwo werde ich schon hinkommen.
Erreiche über etliche Umwege Tosontsengel, eine kleine Stadt auf der mittleren Route nach Ulaanbaatar. Halt bei einer neuen Ferienhausanlage, vier Ferienhäuser, eine Jurte, eine Toilette – Plumpsklo – erst seit zwei Wochen in Betrieb. Der junge Sohn lebt eigentlich in Ulaanbaatar, in den ersten drei Wochen unterstützt er seine Eltern beim Start der Vermietungen, er spricht perfektes Englisch. Nachdem die vollkommen neue Ferienhausanlage über keine Waschstelle verfügt und ich verwundert nachfrage wo „die Dusche ist“, werde ich genauso verwundert über die Tatsache aufgeklärt, dass es keine Wasserversorgung gibt!? Nur drei Häuser in der Stadt haben einen Wasseranschluss … verstehe nicht ganz was das soll, lerne aber, dass die Orte in der Mongolei nicht über eine Wasserversorgung verfügen, sondern von einer zentralen Stelle – dem Badehaus – Wasser geholt wird! Mit Autos, LKWs, Mopeds, Pferden, … wird oft über weite Strecken von Flüssen, Bächen aus der Umgebung, oder eben diesen Badehäusern, Wasser in die Häuser und Jurten geschafft. Die Häuser verfügen nicht über Badezimmer, gebadet wird in dem „Badehaus“. Gewaschen wird in Schüsseln – die Wäsche und die Menschen. Dass Pferde, Yaks, Schafe im Wasser sind, und damit auch etliche Kolibakterien, stört offensichtlich nicht. Verstehe meine bisherigen „Verdauungsprobleme“ und ändere mein Ess- und Waschverhalten grundlegend, ab da habe ich keine Probleme mehr damit. Im örtlichen Supermarkt ist alles Erdenkliche vorhanden, neben Essbarem natürlich Kosmetika, Zahnpasta, Schreibwaren, Waschmittel, Toilettenpapier, Spielzeug, Smart Phone Artikel, Schokolade, … alles bekannte Marken. Lediglich Taschentücher gibt es – fast -nirgends. Bin die kurze Strecke ins Zentrum mit dem Motorrad gefahren, immer wieder sehen die Leute zu mir herüber und deuten auf den Kopf??? Irgendwann verstehe ich: Bin ohne Helm unterwegs! Auf meiner Reise sind mir unheimlich viele Motorradfahrer begegnet, die überwiegende Mehrzahl ohne Helm, aber meist zu viert oder gar zu fünft auf dem Zweirad. In der Mongolei ist aber Helmpflicht und die wird in Tosontsengel genau genommen, aber nur für den Fahrer, die Beifahrer, das heißt die Frau und die zwei oder drei Kinder zwischen den Beiden, und am Tank vorne, fahren ohne Helm, aber das ist o.k. Die Helme sind übrigens Baustellenhelme, weiß nicht wozu die am Motorrad gut sein sollen?!

Wache durch ein ungewöhnliches Geräusch auf, die Türe zu meinem Ferienhaus ist offen und mitten im Raum steht ein älterer Mann … und redet munter drauf los. Er ist Motorradfahrer, zeigt mir Fotos die einen professionellen Umgang zeigen. Riesige Narben von Verletzungen an seinem Körper durch Unfälle. Jurten sind jederzeit zugänglich, es ist in der Mongolei üblich einfach mit der Türe ins Haus zu fallen. Möchte über die mittlere Route Richtung Westen, nehme den Umweg über die südliche Strecke des Telmen Sees. Es ist ein etwas ausgesetzter Weg, kaum Wege, viel querfeldein, teilweise tiefes, morastiges Gelände – gefällt mir außerordentlich gut. Erreiche eine asphaltierte Straße, von da an geht es mit Tempomat einige hundert Kilometer bis ich letztendlich in Ulaangom lande. Nettes Hotel, Abendessen im hoteleigenen Restaurant, am Nebentisch eine illustre Gesellschaft. Zwei Frauen und ein Mann unterhalten sich, eine der Frauen steht auf und kommt zu mir herüber – so lerne ich Amelie Schenk kennen, Dr. phil. Ethnologin. Sie erzählt über ihr Leben, dreißig Jahre in der Mongolei, ihre Bücher, Schamanen, Knocheneinrenker, Erfahrungen, Richard Gere, Dalai Lama … Von ihr bekomme ich viele interessante Tipps über Routen und Orte in der Mongolei, auch die nördliche Route ist mit dabei. Sie plant eine Woche Ferien am Khovsgol Lake, ich könnte sie dort auch besuchen.

Am nächsten Tag starte ich in Richtung nördliche Route und verfahre mich mehrmals, letztendlich ist bei einem breiten Fluss Schluss, muss damit fast die gesamte Strecke zurück. Die Strecke verläuft entlang des Uws Nuur Lakes, und ist sehr sehenswert. Nachdem es bereits Nachmittag ist beschließe ich zurück nach UIaangom zu fahren. Kurz vor der Stadt treffe ich Xavier, er ist aus Frankreich und mit dem Fahrrad seit einem halben Jahr unterwegs. Obwohl noch keine dreißig Jahre alt hat er bereits einiges erlebt: Vertreter Frankreichs im Europäischen Parlament, zeigt mir Bilder mit Martin Schulz und vielen anderen sehr bekannten Politikern mit denen er während seiner Arbeit zusammengetroffen ist. Seine Selbstständigkeit als Caterer, Aufstieg und Absturz und seinen Entschluss mit dem Fahrrad in die Mongolei und zurück zu fahren. Beim gemeinsamen Essen treffen wir Baigelmaa Baikal Norjmaa, und ihr Projekt „Steppes To The West“ – mit Kamelen von der Mongolei bis England zu reisen. Sie war wegen der Planung ihrer Reise vor zwei Wochen in Österreich, zeigt mir Zeitungsausschnitte und die Freunde, die sie in Österreich unterstützen – mehr davon auf „Steppes To The West“.

2 Kommentare zu “Mongolei – First Impressions

  1. Hallo lieber Toni !
    Wieder mal ein packender Bericht von deinen unglaublichen Abenteuern
    Freue mich schon wenn wir uns in Wien wieder sehen.
    Bin ab 17.11. wieder zurück
    Übrigens sehr tolle Bilder, das herunterladen in Madagaskar hat fast 40 Minuten geduert
    aber das war es wert.
    Liebe Grüße Stefan

  2. Lieber Anton
    herzlichen Dank für die Bilder und Schilderungen. Wie immer spannend und interessant.
    Leben so ganz anders als hier!
    Weiterhin gute Fahrt!
    Herzliche Grüsse
    Brigitte

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