Big H´s – Höhen und Hunde

 Die Route: 1. – 22. April 2016

Nach dem Frühstück von Salta Richtung Cuesto del Obispo. Das Navi fährt mit mir irgendwo über die Felder – Orientierungssinn einschalten, finde den richtigen Abzweiger. Die Straße ist anfangs asphaltiert, später Schotter. Leider hängen die Wolken ziemlich tief, im oberen Bereich ist bereits dichter Nebel. Schade, die Bilder versprechen hier einen wunderschönen Ausblick. Vorbei am Parque Los Cardones, kurzer Stopp am Pass. Gleich dahinter beginnt die Recta del Tin Tin, eine zehn Kilometer lange schnurgerade, asphaltierte Straße auf einer wunderschönen Hochebene. In Cachi finde ich ein kleine private Unterkunft. Cachi ist ein kleines Dorf, es sind aber relative viele Touristen im Ort, die Hotels sind restlos ausgebucht. Abendessen im Viracocha Restaurant, in dem ich den Tipp für das Privatzimmer erhalten habe. Vom Nachbartisch sprechen ich ein älteres deutsches Paar mit Tochter an. Die Tochter ist in Argentinien auf Studienreise, die Eltern besuchen sie hier für zwei Wochen und reisen mit ihr durch Argentinien. Frühstück am nächsten Morgen, auch bei Cafe Viracocha. Das Motorrad mit österreichischer Nummer fällt auf, am Nebentisch drei Touristen, die mich darauf ansprechen. Sie sind aus Lille und ein Monat auf Besichtigungstour. Netter Plausch, ehe ich Richtung Abra del Acay aufbreche.
Es soll dies die höchste Passstraße Südamerikas sein, 4.695 Meter. Eine sehr schöne Auffahrt zu Beginn: Wüstenähnliche Abschnitte und Oasen wechseln ab. Fotosession, Kopfkino, … Ein PKW überholt; danach, einige Fotosessions weiter: Ein „Marterl“, der PKW steht davor, die Leute aus dem PKW beten, zünden Kerzen an, … die sind viele Kilometer auf Schotterstraßen unterwegs hierher.

Weiter Richtung Pass, die „Straße“ wird holpriger – immer wieder kleine Furten – und schlechter. Ich fahre an einer Schafherde vorbei, zwei alte Indianerinnen treiben sie mit einer Schar Hunden. Die Hunde greifen mich beim Vorbeifahren sofort an, ich beschleunige, einer der Hunde erwischt mich am linken Bein, ich trete ihn weg, der Weg ist ziemlich ausgewaschen, es schüttelt mich ordentlich durch, irgendwie bleibe ich am Motorrad und schüttle die Hunde ab, das war knapp! Die nächste Furt, das Wasser hat den Weg tief unterspült, eine steile Kante an beiden Seiten, das wird spannend. Eine Herde Llamas in einiger Entfernung, sie schauen ziemlich entspannt herüber. Durch! oder doch nicht!? Bei der Auffahrt am anderen Ufer kommt das Hinterrad nicht hoch, das Bike – und ich – fallen um. Na super! Der erster Hinfaller, und das nicht in der besten Umgebung. Erster Versuch zum Aufstellen: Gescheitert, zu schwer. Koffer abmontieren. Die Llamas sind mittlerweile auf drei Meter herangekommen und schauen stoisch herüber, sie wirken irgendwie angewidert. Zweiter Versuch, das Kreuz kommt aus der Komfortzone und: Die BMW steht wieder auf den Rädern. Jetzt noch auf den Ständer – geht nicht, muss mit einem Stein die aufrechte Stellung sichern. Starter und: Läuft! Mit viel Gefühl – und Kraft – aus dem Bachbett. Koffer montieren, die Llamas schauen nach wie vor gelangweilt herüber – blöde Kamele. Besichtige den „Beinschaden“, der Biss hat die linke Wade getroffen, obwohl der Stiefel hoch raufgeht ist ein Zahn in die Haut eingedrungen, es blutet leicht. Die Bissstelle ist eine dicke Beule. Zum Glück hat der Stiefel hat den Biss noch abgefangen.

Etliche Furten später: Der Weg ist mehr ein Bachbett, eine Indianerin mit drei Kindern und vier Hunden kommt mir entgegen, ich habe meine Lektion gelernt! Circa 30 Meter vorher bleibe ich stehen, sie bleibt stehen, wir schauen uns an, sie geht zur Seite, ich deute sie sollen gehen. Indianerin, Kinder und Hunde gehen in sicherem Abstand – fünf Meter – ganz ruhig vorbei. Winnetou schau oba! So muss es gewesen sein, wenn sich Apachen und Sioux getroffen haben … abwarten, ausloten, weiter oder … fight …

Tiefes Gelände, ich bin schon relativ hoch oben, das Navi ist wieder bei 3.995 Meter ausgefallen, aber viele Möglichkeiten gibt es ohnehin nicht. Es beginnt zu schneien, -2 Grad.
Am Gipfel: Tolles Gefühl, Foto beim Schild am Pass. Obwohl die Aussicht nicht besonders ist, kommt doch eine gute Stimmung in mir auf: Die höchste Passstraße Amerikas, die dritthöchste weltweit!?
Die nördliche Seite ist viel besser ausgebaut, breite Schotterstraße, komme zügig voran. Das Navi steigt wieder ein, links hausen einige Indianer in Steinhäusern, Schafen, Hühner und … Solarzellen. San Antonio de Los Cobres, eine Minenstadt. Nettes Hotel, nicht ganz günstig. Spaziergang durch den Ort, sehe nur Indianer, die meisten mit dicken Backen, sie kauen Coca Blätter. Heute waren Wahlen und daher wurden aus den umliegenden Dörfern die Leute mit Bussen in die Stadt zur Wahl gebracht, jetzt warten sie wieder auf die Rückfahrt.
Die Stadt ist recht überschaubar, viele Hunde, die meisten aggressiv. Der Hundebiss gibt mir zu denken … drei Monate zurück, bei Dr. Stanek – unser Hausarzt – Impfungen. Wahrscheinlichkeit Tollwut: Sehr gering. Wir beschließen Tetanus und Hepatitis reicht. Google ein wenig über Tollwut: Letal! Nachträgliche Impfung hilft nur bis maximal zwei Tage nach dem Biss, und das nur sehr eingeschränkt. Ein Kratzer reicht. Rezeption: Gibt es ein Spital? – gibt es. Werde morgen früh hin; jetzt erst mal Abendessen – Llamaragout. Die haben mich heute so verächtlich angesehen, dass ich das Llamagulasch mit großem Genuss esse, etwas zäh, wie Rindfleisch. Zwei Biker kommen noch ins Hotel – Chilenen.

Im Hospitale

Das Hospitale ist nur unweit vom Hotel. Drinnen: circa 50 – 80 Indianer, sie warten. Ich, bei der Glasscheibe mit dem Tablet und dem Offline Übersetzer. „Gestern hat mich ein Hund gebissen, ich möchte eine Tollwutimpfung“. Die Vorzimmerdame, eine Indianerin, versteht mich ohne viele Worte, vorbei an den Wartenden ins Arztzimmer: „Der Doktor kommt sofort, er spricht auch Englisch“. Der Dr. kommt: „Hello, my name is …“  stellt er sich vor, das sind auch schon die einzigen Worte, die er auf Englisch beherrscht, immerhin. Ich spreche mit ihm in der Einheimischen Sprache (;-)), das baut die Barrieren besser ab. Er meint, dass es gut ist, dass ich gekommen bin, heuer sind bereits vier Tote in San Antonio durch Tollwut!!! Er wird mir eine Antirabbica Injektion verabreichen.
Die Assistentin desinfiziert die Wunde, ich bekomme einen Verband.

Die Spritze:
Irgendwie geistert herum, dass Tollwutimpfungen besonders schmerzvoll sind – ich bin neugierig. Spritze in den Oberarm, noch spüre ich nichts. Der Doktor erklärt mir, dass ich im Abstand von je einer  Woche weitere drei Injektionen benötige und ich soll in einer Woche wieder vorbeikommen. Klingt gut, in einer Wochen bin ich überall, nur nicht hier in Antonio de los Cobres. Er versteht, reißt den Deckel der Verpackung ab und meint ich soll einfach in ein Spital mit diesem Deckel vorstellig werden, die Impfstoffe sollte es überall geben. Bezahlen: Das geht nicht, die Gesundheitsversorgung ist in Argentinien kostenlos!!! Kräftiges Händeschütteln, auch mit der Assistentin, Bon viaje. Ich bleibe noch eine Nacht in San Antonio, fahre Richtung Paso de Sico. Eine alte Eisenbahn – Treno de los Nubes – fährt Touristen von San Antonio über den Pass zu einer alten Mine. Die Beschreibungen dazu im Internet sind beeindruckend. Ich habe jetzt keine Zeit dafür, da ich in zehn Tagen in die Schweiz zurück muss, möchte aber in jedem Fall über den Pass fahren – kommt Zeit kommt Rat. Abendessen im städtischen Kulturhaus. Hier stellen die Indianerinnen selbst gefertigte Waren zum Verkauf aus, so möchte man den Tourismus in Argentinien fördern. Tagesgericht: Suppe, Gebratenes Fleisch mit Pommes und Salat. Spaziergang durch die Stadt, vor dem Bankomat: Ein schwarz gekleideter Polizist mit schusssicherer Weste und Maschinenpistole, die Maschine spuckt Geld aus, ich bin verblüfft. „Window shopping“ in San Antonio de los Cobres ?!?! und … gute Nacht.

Nächstes Ziel:

Salar de Salinas Grande

Der Weg wechselt von Schotter, tiefer Sand, Furten … meine Reifen sind vollkommen ungeeignet, wie auf Eis.
Salar de Salinas Grande: Konnte mir nicht wirklich vorstellen wie ein Salzsee aussieht, aber: Es gibt kein Wasser, einfach eine riesige weiße Fläche. Fotos, ein Muss. Ich frage einen Argentinier, ob er mich fotografiert – es gelingt ein wirklich tolles Bild – vielen Dank dafür. Ein junges Pärchen mit einem kleinen Buben ist auch am See, sie sind Engländer, aber: Die Mutter der Frau war Wienerin, netter Plausch, herzlicher Abschied. Über eine beeindruckende Berglandschaft vorbei an Purmamarca – „Sieben Farben Felsen“ – nach Tilcara.
Am Piazza: Café und Schokokuchen, kommt gut. Weiter zum Hotel Gaia. Sehr nettes, kleines Hotel, liebenswürdige Betreuung, die Mädels sprechen perfektes Englisch. Ich werde zwei Tage bleiben! Der Vierer links oben macht sich leicht bohrend bemerkbar, ein Zahnarzt wäre sehr angebracht. Eine der Beiden kennt eine Zahnärztin in Tilcara, schon etwas älter, aber ganz gut – sie wird versuchen einen Termin zu vereinbaren. Skype mit Sigrid, sehr nettes Abendessen typisch Argentinien. Frühstück auf der Terrasse. Zahnarzttermin geht o.k., bin um zehn Uhr in der Praxis. Die Zahnärztin ist relativ jung!? Spricht kein Wort Englisch, ich kein Wort spanisch – das Tablet dient als Übersetzer. Wir verständigen uns recht schnell, Diagnose: Wurzelbehandlung! Ohne Röntgen und ohne Assistenz macht sie die Wurzelbehandlung. Sie sucht immer wieder Geräte oder Mittelchens – sie ist das erste Mal hier und macht nur die Vertretung, eigentlich ist ihre Ordination in San Salvador. Gifteinlage und Provisorium, das sollte in ca. zwei Wochen heraus und dann eine provisorische Einlage eingesetzt werden. Sie gibt mir die Adresse in San Salvador, wenn ich da bin kann ich es bei ihr gerne machen lassen. Ich bezahle 50 Bolivianos = weniger als 8 Euro.
Humahuaca:
Coca Blätter, … „farbige Berge“, Relax.
Das englische Pärchen treffe auch wieder in Tilcara, ein interessanter Tag geht zu Ende. Der Zahn macht überhaupt keine Schwierigkeiten!

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