Richtung Sahara, ganz im Westen

Zagora, Stadt direkt an der Grenze zur Sahara.

Von hier werden Touren in die Sahara angeboten, auch Camps „Wohnen im Zelt in der Wüste“. Fahre an mehreren Camps vorbei: Sind wie Pfadfindercamps, nur luxuriöser, Restaurant, Doppelbett, Badezimmer, Warmwasser, einige mit Air Condition !!! No comment …
Früchte, Eis, … einkaufen, ein bunt gekleideter Mann hängt sich vom Gehsteig bis zum Geschäft, fünf Meter, an meine Fährte: Was ich möchte, wohin ich möchte, … gebe keine Antwort, er bleibt dran bis ins Geschäft, erkläre dem Verkäufer ich möchte ein Eis, er sperrt die Gefriertruhe auf, ich nehme mir ein Magnum, er nimmt es mir aus der Hand und gibt mir eines von unten, der Bunte auf Tuchfühlung quatscht immer weiter. Ich erkläre ihm, dass ich seine Ratschläge, Hilfe nicht möchte – hilft nichts. Ich möchte zahlen, gebe dem Verkäufer den sonst übliche Betrag, er möchte mehr. Strecke im die Hand mit Kleingeld entgegen, er nimmt sich alles raus und meint: „So stimmt es dann …“ ??? Gebe ihm mein Eis zurück, nehme ihm das Geld weg und gehe, jetzt möchte er verhandeln – es ist einfach mühsam jetzt schon wegen eines Magnums zu handeln, vor allem weil man ständig betrogen wird, dann eben gar kein Geschäft. Der Bunte bleibt weiter dran, zieht mich an der Jacke … die sehen sich als Mittler, verlangen anschließend fünf Euro als Vermittlungsgebühr und sind unheimlich aufdringlich. Steige aufs Motorrad und fahre meines Weges, der Bunte schlägt sich die Hände vor´s Gesicht und hadert mit dem Schicksal: No luck today, no luck today, … Auf der Weiterfahrt ständig Mopedfahrer neben mir, fragen ob ich eine Werkstätte, Hotel, Haschisch, oder ähnliches brauche – nicht einer, etliche. An der Tankstelle das gleiche: Ein „Vermittler“ möchte mir die Zapfsäule offensichtlich persönlich vorstellen, ein anderer wieder eine Werkstätte?! Frage was er reparieren möchte, er meint den Luftfilter tauschen, abschmieren, … auf deutsch!!! Als ich trotzdem höflich ablehne gibt er mir dennoch seine Visitenkarte: Wenn ich wiederkomme, vielleicht brauche ich ja dann etwas … Weiter Richtung Hotel, das liegt zehn Kilometer außerhalb des Ortes, immer Mopedfahrer neben mir, die mir etwas vermitteln wollen, bleibe freundlich: Hotel habe ich schon gebucht. Sie meinen nur, in der Richtung, in die ich fahre, gebe es keine Hotels, die sind in der Stadt und in der anderen Richtung?! Das Hotel liegt einige Meter neben der Hauptstraße und ist eine Idylle: Begrüßung durch den Eigentümer, deutsch?! Minztee, wie überall zur Begrüßung in jedem Hotel in Marokko, ein Muss! Treffe ein sehr sympathisches Paar aus Bayern, nette Gespräche im Garten, im Restaurant. Sie erzählen von ihren Erlebnissen auf ihrer Reise. Etwa eine halbe Stunde vor Zagora haben sie bei einem hängengebliebenen Fahrzeug gehalten, der Fahrer hat ihnen von seiner Panne, dass er die Mutter in den Bergen besuchen wollte, … erzählt. Sie haben ihn nach Zagora mitgenommen, er, voller Dankbarkeit, hat sie gleich zu sich eingeladen, damit waren sie im Haus seines Bruders, Teppich Vorführung … hat immer wieder angedeutet, dass er sich für ihre Hilfe erkenntlich zeigen möchte, zur Geldbörse gegriffen, … im Endeffekt ist es ein einfacher Trick Leute zum Teppichkauf zu „überreden“, der wird hier oft so angewendet. Dabei sind die Beiden beim Erzählen vor lauter Lachen kaum herausgekommen, wie sie dem auf den Leim gegangen sind, über so gut erfundene Geschichten, den hohen Aufwand der dabei betrieben wird und dass sie so gutgläubig waren. Letztendlich haben sie dann doch ein Fläschchen Arganöl gekauft … Ich habe ihnen versprochen, dass ich ihre Geschichte auf meiner Website erzählen werde – anonym natürlich, da haben wir uns noch mehr amüsiert …

Abstecher nach Marrakesch

Durch  Quarzazate (hier wurde Gladiator gedreht und befindet sich das größte Sonnenwärmekraftwerk Afrikas – man sieht das gleissende Licht des Turmes schon hundert Kilometer vor der Stadt), Abstecher über Telouet (sehr sehenswert!!!) und den Hohen Atlas – leider einen einzige Baustelle – nach Marrakesch. Ähnliches Spiel wie sonst auch, „Vermittler“ umschwirren einen wie Motten das Licht. Unmöglich sie zu ignorieren, schwierig sie abzulehnen. Beziehe ein sehr schönes Hotel im historischen Zentrum.

  • Am Platz der Gaukler: Einige etwas fragwürdige Gestalten, Affen zum Fotografieren, Schlangenbeschwörer, … rundum Cafeterias und Restaurants voller Touristen.
  • Lederfärberei: Sieht etwas heruntergekommen aus, bei meinem ersten (und letzten) Besuch vor vierzig Jahren war es ein buntes Treiben (Beweis sind alte Fotos nicht die vergilbte Erinnerung!) heute grau in grün …
  • Rundgang durch die Stadt: Werde überall angesprochen, jeder versucht mir etwas zu verkaufen, zu zeigen. Ignorieren oder ablehnen hat denselben Effekt: Schimpftiraden mit „Fuck you, Scheiße, …“

Treffe ein sehr nettes Schweizer Pärchen, sie sind für einige Tage in Marrakesch. Er hilft mir beim Übersetzen ins Französische, wir treffen uns zum Abendessen am Roof Top  – Amüsement zum Abwinken, Geschichten aus dem Alltag des Reisens, Urlaub im Kloster in Indien … wochenlanges Schweigen inkludiert, „Zellenleben“  – lol , aktuelle Erlebnisse aus Marrakesch mit ständigen Anbaggern, Angreifen, … als sie einen Gaukler in die Schranken weist, wüste Beschimpfungen (Fuck you, …). Am Nachbartisch sitzen zwei ältere Amerikanerinnen, wir beobachten sie aus dem Augenwinkel: Zwei Flaschen Wein, loben in aus „vom Feinsten“, sie hatten bereits gestern zwei Flaschen gelüpft … heute kommen noch einige Gläser Whiskey dazu. Schon während des Abends können wir uns vor Lachen über die Beiden, ihre Gestiken, Lallen beim Sprechen … kaum halten. Sie wackeln beträchtlich beim Aufstehen, die Stiegen sind ziemlich steil, ich meine noch: Ob sie die schaffen? Schon poltert es einen Stock tiefer!!! Betrunkene wehren sich nicht gegen den Sturz, die fallen wie Babys …
Auf dem Weg zurück zu meinem Hotel werde ich von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen, sie wollen mich „antanzen“, ich spüre wie sie nach meiner Geldbörse greifen – jetzt werde ich ungehalten und vertreibe sie mit heftiger Gegenwehr.
Die beiden Amerikanerinnen am nächsten Tag beim Hotelausgang: Sie bedankt sich für die Hilfe und „dass sie nicht wüsste warum es passiert sei“ – lol! Noch etliche Fotos mit den „beiden liiiieben naiven Schweizern, mit denen wir uns schlapp lachen“ = Originalzitat der Beiden, dem Koch -> die Begegnungen, sowohl mit den Bayern, als auch mit dem Schweizer Pärchen, sind unterhaltsame Höhenpunkte dieser Reise.
Tafraoute ist einer der schönen Orte, schon die Anreise über die Berge des Antiatlas ist ein Erlebnis. In Tafraoute zum „Chapeau von Napoleon“ und den Blauen Steinen des belgischen Künstlers Jean Verame.
Von Tafraoute über die Berge nach Ait Mansour – für mich die beeindruckendste Schlucht in Marokko. Keine Touristen, wenige Menschen, Oase mit tollen Palmen. Die R107 nach Icht ist neu asphaltiert und führt durch eine schöne Landschaft – der Übergang zur Sahara ist nicht zu verkennen. Die N112 von Icht nach Assa und weiter nach Guelmim, Kamele als „Wildwechsel“ auf der Straße. Kurz vor Guelmim eine Oase, nette Hostals, Betreiber sind  Sahraouris und Berber. Der Großvater lebt heute in der Oase, auf seinem Grundstück, … immer noch im Zelt.

 

Kommentare (2)

  1. Danke für die wunderbaren Bilder und Geschichten. Ein herrlicher Unterbruch bei der Packerei für den Umzug. Hab es mir bildhaft vorstellen können und lol.
    Morgen kommt der Zügelwagen…. Herzliche Grüsse und weiterhin herrliche Erlebnisse! Brigitte

  2. Hallo lieber Toni !
    Danke wir immer, für die interessante Schilderung. Der Tourismus verdirbt leider den Charakter der Bevölkerung.
    Das ist in solchen Ländern leider sehr stark zu spüren. Freue mich schon auf ein Wiedersehen in Wien
    liebe Grüße und weiterhin gute Reise

    Stefan und Michi

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