West Sahara – geteiltes Land

Bei Guelmim beginnt offiziell die Sahara

Mein Plan hatte sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt, ich wollte über die West Sahara und Mauretanien nach Senegal – weiß zwar nicht genau warum, aber wie sagte schon Qualtinger: „Mia wissn zwoa net wo ma hifoarn, dafia samma schnölla durt …“ Entlang der Antlantik-Küste Richtung Mauretanien. Ab Tan Tan wird es flacher. Bis Fuerteventura sind es weniger als 100 Kilometer, leider ist die Fernsicht getrübt. Einige hundert Kilometer nach Tan Tan ist die Landschaft dann ein „Palatschinke“, die einzige Abwechslung sind die Polizeikontrollen, die in der West Sahara allgegenwärtig sind. Pass, Einreisestempel, Fahrzeugpapiere, Versicherungskarte, wo ich her komme, wo ich hin fahre, … auf Anraten aus dem Internet habe ich diese Daten bereits auf einem Blatt Papier zusammengeschrieben und 40 Mal kopiert, man nennt das „Fiche“ sprich „Fisch“ – Der Steckbrief. So geht es dann etwas schneller. Die Polizisten sind auf dieser Reise die netteste Gruppe die ich treffe! Sie sind sehr höflich: „Welcome in Morocco“ mit einem Lächeln sind der Mindeststandard. Ich werde in allen Fällen zuvorkommend und nett behandelt! Sogar als ich wieder einmal angehalten werde und meine, das sei eine „Standeskontrolle“ klärt sich nach einigen Missverständnissen meinerseits die Lage dahingehend, dass ich mich einer Geschwindigkeitsübertretung – Radarmessung ergibt 15 km/h zu schnell – schuldig gemacht habe und ein Strafmandat bekomme. Dem jungen Polizist ist es fast unangenehm, aber wir wickeln die Angelegenheit professionell ab. Danach Small Talk, ich komme aus „Austria“ = „Nemsa“ auf Marokkanisch. Er stammt aus Merzouga – der ziemlich touristischen Stadt in der Wüste. Seit einigen Monaten wohnt er in Laayonne = Al Aaioun der Hauptstadt der West Sahara. Ich frage ihn, wo es ihm besser gefällt, er meint lapidar: Dort wo man herkommt, ist es immer am Schönsten! Habe dem nichts hinzuzufügen. Verabschiedung: Händedruck, alles Gute, Gott sei mit dir und „Du bist ein richtiger Gentlemen“ – selten ein so herzliches Strafmandat erhalten. Durch einen Windpark fahre ich dann fast eine geschlagene Stunde, der ist riesig! Al Aaioun – eine neu errichtete Stadt. Der Zuzug wird stark gefördert. Benzin ist zum Beispiel um 30 Prozent billiger, auch Hotels, Lebensmittel sind vergleichsweise sehr günstig. Die Stadt selber wird als unsicher beschrieben, im Hotel wird mir „Begleitschutz“ zum Abendessen angeboten, ich warte einige Zeit, als es mir zu lange wird gehe ich in den gegenüber liegenden Busbahnhof essen.

Schon während der letzten Tage hat mich der weitere Reiseverlauf beschäftigt. Sowohl von Einheimischen, als auch aus dem Internet versuche ich Informationen zu bekommen.

Einhellige Übereinstimmung:

  • Mauretanien ist gefährlich.
  • Zwischen Marokko und Mauretanien ist ein minenverseuchtes Niemandsland.
  • Hohe Korruption, sowohl an den Grenzen als auch die Polizei.
  • Der Grenzübergang von Mauretanien nach Senegal in Rosso ist der schwierigste und komplizierteste, zumindest in Afrika.

Reisende schreiben in den Foren zu 90 Prozent über ihre Erlebnisse an den Grenzen und mit der Polizei, von Schlepperbanden die die Reisenden attackieren, Geld fordern, … der Rest sind Berichte über die Fahrt und Besuch von Nationalparks. Die wahren Herausforderungen und Siege sind das Bewältigen „der schwierigsten Grenze der Welt, zumindest von Afrika“! Je näher die Menschen an diese Länder wohnen desto „verträglicher“ werden die Geschichten, ich bin überzeugt, dass die „Bewältigung dieser Schwierigkeiten“ möglich ist. Auf meine Frage was in Senegal interessant sei bekomme ich fast immer die Antwort: Dakar ist wunderschön! und sonst? Ja, Dakar ist wunderschön! Neben den Beschreibungen von Reisenden über die Schwierigkeiten an den Grenzen, Korruption, … findet sich noch ein Aufenthalt in der „Zebrabar“ an der Atlantikküste von Senegal – ein bestbekannter Overlander Treff – und in Naturparks.
So fahre ich jetzt schon tausend Kilometer durch die Wüste, plane noch an die algerische Grenze nach Smara zu fahren – eine Garnisionsstadt. Ein Drittel der West Sahara wird von der „Polisario“ beherrscht, dieses ist im Grenzgebiet zu Algerien. Marokko hat vor einigen Jahren einen verminten und mit Stacheldraht verhauenen Wall zum Schutz gegen die Polisario in der West Sahara errichtet – der Wall ist 2.700 Kilometer lang! Auf Sichtweite sind Militärposten stationiert. Kommt einem irgendwie bekannt vor … Smara ist das Zentrum für diesen Schutz. Der Weg dorthin: Viele Polizeikontrollen, die sind übrigens auch zum Schutz der Touristen, ich werde von einer zur nächsten richtiggehend weitergeleitet. Daher auch die Fragerei woher, wohin, … Denke die machen das sehr gut, ich fühle mich in keinem Moment unsicher. Die Fahrt nach Smara – alles flach, die Wüste Sand mit Steinen … nach fast 2.000 Kilometer steht mein Entschluss fest: Ich möchte nicht noch 5.000 Kilometer so dahinfahren, die „schwierigste Grenze der Welt, zumindest Afrikas“ überwinden und Dakar besuchen, da buche ich lieber einen Flug dort hin und mache mir ein nettes Wochenende – länger halte ich es in kaum einer Stadt aus. Die Straße zurück über die Sahara nach Tan Tan ist in einem guten Zustand, treffe etliche Kamele, unweit von der Straße einige Berberzelte, Pferde, Esel, … Beziehe in Tan Tan ein sehr nettes Hotel unweit von der Atlantikküste, nettes Abendessen. Am nächsten Tag nach Legzira, ein wirklich ursprüngliches Dorf direkt am Ozean, alles sehr einfach gehalten, geduscht wird über dem Plumpsklo. Der Ausblick von der Terrasse, der schönste den ich mir vorstellen kann, am langen Sandstrand die „Arches de Legzira“ – drei riesige Steinbögen, frischen Fisch vom Grill, gefällt mir sehr gut. Auf dem Weg nach Essaouria nehme ich noch besondere touristische Sehenswürdigkeit mit – Das Paradies Tal (???) weiter zu den Wasserfällen Imouzzer des Ida Outanane, völlig ausgetrocknet (???)

Sehr schönes Hotel in Essaouira, die Dame an der Rezeption spricht perfekt englisch, nettes Zimmer, außergewöhnliches Roof Top. Frage nach einem guten Restaurant => zwei Vorschläge, sie begleitet mich persönlich zum ersten, ist in der Nähe: Gut, aber geschlossen. Das Zweite suche ich bei einsetzendem strömenden Regen, finde es nach einiger Zeit: Gut, aber auch geschlossen. Esse in einem kleinen Lokal auf dem Weg zurück ins Hotel: Offen, aber nicht gut. Viele, um nicht zu sagen ausschließlich, Touristen, außer den vielen herumschwirrenden „Händlern“ und „Beratern“ die einem ständig etwas aufschwatzen wollen. Hatte gleich beim Ankommen in der Stadt eine erste Gelegenheit dazu, noch bevor ich vom Motorrad absteigen konnte – der Parkwächter verlangt allen Ernstes 100 Dirham Parkgebühr für einen Tag! Der Preis liegt irgendwo zwischen 20 bis maximal 50 Dirham. Setze den Helm wieder auf um wegzufahren, er fragt was ich zu zahlen bereit bin. Bezahle 30 Dirham und wir sind beide zufrieden, obwohl: Er meint, das sei ohnehin nicht viel für mich, ein Kaffee oder so …
Immer weiter an der Küste Richtung Norden, in einem kleinen Dorf sticht mir ein riesiger LKW ins Auge, die Silhouette kenne ich, es sind die beiden Salzburger, die ich vor einigen Wochen bei Tafraoute getroffen habe. Ein Schutzblech an der Vorderbremse ist abgerissen, um es zu entfernen muss das Vorderrad demontiert werden, und das ist ziemlich riesig. Die marokkanischen Arbeiter legen sich voll ins Zeug, der mitgebrachte Drehmomentenschlüssel ist mannsgroß. Gemeinsames Ziel ist Qualidia – der „schönste“ Strand von Marokko – habe ich nun schon sehr oft „der schönste und so … “ gelesen und gehört, mir persönlich hat Legzira am Besten gefallen. Auf dem Weg nach Qualidia unzählige Chemiewerke, Phosphorabbau, … bei Safi, ein riesiges Industriegebiet. Treffe die Beiden noch am Campingplatz, netter Plausch. Auch die beiden Liechtensteiner, die ich Legzira getroffen hatte, sind mit ihrem Campingbus da. Alles in allem ein paar sehr nette Tage, es ist eine schöne Urlaubsfahrt. Für mich aber kein wirklicher Anreiz und ich bin bereits auf der direkten Rückreise nach Spanien. Telefonat mit Sepp, hatte ihn in Malaga getroffen, er transportiert Motorräder von Malaga nach München, hatte ihn schon vor Marokko gefragt, ob er mein Bike bis Wien bringen kann, das macht er. Vereinbare mit ihm: Morgen nachmittags bei seinem Geschäft in Alhaurin. Die paar hundert Kilometer bis Tanger sind schnell heruntergespult, unterwegs kaufe ich an einer Tankstelle die Tickets für die Fähre von Tanger nach Tarifa. Letzter Abend in einem Business Hotel in Tanger, viele Laptops, Tablets, Handies, … buche den Flug für morgen, 23.10.2018 (korrigiert von 2019 auf 2018 nach Kommentar von Gerhard), von Malaga nach Wien. Die Grenzabwicklung im Tanger Hafen ist unglaublich schnell, dachte dass ich erst die Fähre um eins erreiche, bin aber nach einer Viertelstunde mit allen Formalitäten fertig und um 11:00 mit der Fähre auf dem Weg nach Tarifa – 45 Minuten Fahrzeit. Back to Europe! Mache noch einen Abstecher von Estepona nach Jubrique, wundere mich, dass die Straßen stark verschmutzt sind, je weiter ich in die Berge komme umso ärger wird es, Teile der Straßen sind weggeschwemmt, in Jubrique sind etliche Häuser durch Muren schwer in Mitleidenschaft gezogen. Lubos, der Mitarbeiter von Sepp erklärt mir, dass am Wochenende schwere Unwetter in Andalusien waren und viele Ortschaften von der Umwelt abgeschnitten sind. Bierchen mit Lubos, er bringt mich noch zum Flughafen, um Mitternacht holt mich Sigrid mit Funny vom Flughafen ab – wieder zu Hause.

5 Kommentare zu “West Sahara – geteiltes Land

  1. Hi Toni! Nice writeup… I wish my German was better! The English translation is a bit jumbled so not so easy to follow. So you’re back in Vienna until your next adventure to Iran and further afield?

  2. Lieber Anto
    danke für diese spannende Schilderung! Ich liess Umzugskartons stehen und tauchte ein in deine Abenteuer!
    Herzliche Grüsse aus dem Tessin und weiterhin gute Fahrt
    Brigitte

  3. Hallo lieber Toni !
    Super spannende Story freue mich schon wenn wir uns in Wien wiedersehen
    liebe Grüße
    Stefan

  4. Gerhard Kallinka

    Guten Morgen!

    …., buche den Flug für morgen, 23.10.2019, von Malaga nach Wien.
    War wahrscheinlich ein Frühbucherangebot! Ha, ha, ha,……

    Lg, und schönen Sonntag noch

    Gerhard u. Monika

    • Anton Marschall

      Lieber Gerhard, liebe Monika,
      immer der Zeit voraus … Danke für’s genaue Lesen!!!
      Toni

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